Wochenkommentar

Die Leistung muss stimmen

Das Universitätsspital Basel ist solide aufgestellt, die gemeinsame Spitalgruppe mit dem Kantonsspital Baselland kann kommen.

Das Universitätsspital Basel ist solide aufgestellt, die gemeinsame Spitalgruppe mit dem Kantonsspital Baselland kann kommen.

«Der Abbau von Überkapazitäten, die Konzentration der Standorte und deren Spezialisierung versprechen Effizienzgewinne bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung. Es wäre ein Jahrhundertfehler, diese Chance nicht zu packen.» Der Wochenkommentar über die geplante Spitalgruppe.

Seit dieser Woche ist klar, was die beiden Basel unter einer gemeinsamen Spitalgruppe verstehen. Oder zumindest die diversen Arbeitsgruppen der beteiligten Krankenhäuser. Denn der politische Entscheid steht noch aus. Die beiden Gesundheitsminister Lukas Engelberger (BS) und Thomas Weber (BL) wollen erst vor den Herbstferien kommunizieren, mit welchem Konzept genau sie den langen und beschwerlichen Weg durch die Parlamente antreten wollen.

Es kann also sein, dass die politische Opportunität da und dort zur Korrektur zwingt. Allerdings sollten sich die Verantwortlichen durch den reflexartigen Sturmlauf der Linken gegen die mögliche «Privatisierung» der Gruppe nicht aus dem Konzept bringen lassen. Und ebenso wenig vorsorglich vor jenen auf die Knie fallen, welche die angeschlagene 70er-Jahre-Bausünde Bruderholzspital per Initiative in die Zukunft retten wollen. Solange der Fokus der Neuorganisation auf der bestmöglichen medizinischen Versorgung der Bevölkerung und auf nicht weiter steigenden Krankenkassenprämien liegt, dürfte ihnen der Zuspruch der Bürgerinnen und Bürger gewiss sein. Jedenfalls solange nicht Emotionen die Debatte prägen. Zu gross und komplex ist die Planung einer kantonsübergreifenden Spitalgruppe, als dass sie gelingen kann, wenn ideologisch statt sachlich diskutiert wird. Zudem müssen Egoismen aller Art überwunden werden. Für Gärtchendenken darf kein Platz bleiben.

Das wird schwer genug. Gerade im lobbyinfizierten und durchreglementierten Gesundheitswesen, in dem sich unzählige Interessensvertreter gesundstossen. Hinzu kommt, dass in der Region Basel eine Vielzahl von privaten Spitälern ihre Dienste anbieten. Ihre Sorge, von einem marktbeherrschenden Moloch verdrängt zu werden, ist nicht unberechtigt. Allerdings gibt es für Nischenanbieter immer Platz. Zudem können sie von der Anziehungskraft eines Unispitals profitieren, das in Zusammenarbeit mit den Life-Science-Riesen Novartis und Roche eben auch eine wichtige Forschungseinrichtung ist.

Wettbewerb wirkt nicht kostensenkend

Wenn aber der Basler Gesundheitsökonom Stefan Felder einen Zusammenschluss für wettbewerbspolitisch gefährlich hält (Ausgabe vom Donnerstag), dann sei die Frage erlaubt: Wettbewerb zu welchem Zweck? Bisher ist es ja nicht gerade so, dass marktwirtschaftliche Regeln zu spürbar tieferen Gesundheitskosten geführt hätten. Es wird mehr und schneller operiert. Es werden Behandlungen angeboten, die nicht in erster Linie dem Patienten, sondern der Bilanz dienen. Teure Kaiserschnitt-Geburten, einst eine Notmassnahme, sind in der Zwischenzeit schon fast die Regel. Tarmed, das Tarifmodell, nach dem medizinische Leistungen abgerechnet werden, hat eher das Gegenteil des ursprünglichen Zwecks bewirkt. Derzeit wird um eine Revision gerungen, wobei auch hier die Interessen zwischen öffentlicher Hand, Spitälern, Ärzten und Krankenversicherern divergieren. Gleichzeitig steigt dank dem medizinischen Fortschritt die Anzahl der ambulanten Operationen und Behandlungen rasant, was sicher zu einem Bettenüberhang in den Spitälern führt – und zu einer Kostensenkung.

Auch die Patienten drehen an der Teuerungsschraube

Und dann ist da noch der Mensch. Als obligatorisch Krankenversicherter schimpft und wütet er über die jährlichen Tariferhöhungen. Als Patient will er für sich nur das Beste, egal was es kostet. Und das möglichst vor der Haustür. Der Verdacht liegt nahe: Die Anspruchshaltung steigt mit den Prämien. Man will ja schliesslich etwas für sein Geld. Damit ist aber auch er ein Treiber der Teuerungsspirale, die in beiden Basel selbst mit dem Spitalzusammenschluss nicht zu drehen aufhört. Aber sie könnte sich wenigstens verlangsamen. Der Abbau von Überkapazitäten, die Konzentration der Standorte und deren Spezialisierung versprechen Effizienzgewinne bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung. Es wäre ein Jahrhundertfehler, diese Chance nicht zu packen.

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