Was für eine Glückssträhne. Letzte Woche schreibt mir Dr. Severina Mwirichia in einem E-Mail, dass ich eine Million Dollar geschenkt bekomme. Die Spende sei Teil des Sigrid-Rausing-Wohltätigkeitsprojekts. Severina ist Lehrerin in Kenia, Sigrid die philantropische Tochter des schwedischen Tetra-Pak-Erfinders, die Freemail-Adresse stammt von der russischen Suchmaschine Yandex.

Auch Dr. John K. Martins von der Barclays Bank London mailt mir wieder. Er sucht von Tschechien aus verzweifelt einen Abnehmer für 18 Millionen Pfund, die er auf einem herrenlosen Konto entdeckt hat. Ich werde nicht zögern, ihm zu Hilfe zu eilen. Er benötigt von mir 60 Pfund für die Abwicklung der Überweisung an mich. 60 Pfund Aufwand, 18 Millionen Ertrag – ein guter Return of Investment.

Dann ist da Friedrich Mayrhofer aus Kanada, der in einer Lotterie 50 Millionen Dollar gewonnen hat und mir 2,8 Millionen schenken will. Die E-Mail-Adresse lässt vermuten, dass er nach Serbien gezügelt ist. Also näher zu mir. Bestimmt, damit der Geldtransfer schneller geht. Sehr nett. Dafür schreibt mir der spanische Anwalt Dr. Daniel Rodriguez, der mir 2,5 Millionen Dollar übermitteln will, von der Ukraine aus. Der war in Mathe wohl besser als in Geografie.

Des Weiteren will der US-Amerikaner Tayeb Souami mir 50 Millionen überlassen, «als Beitrag zur Armutsbekämpfung» – und das über eine brasilianische E-Mail-Adresse. Von Südamerika aus die Armut in der Schweiz bekämpfen, das ist hübsch. Offenbar weiss man auch in Rio, dass Baselbieter Bücherschreiber in kargen Klausen hausen und kaum je Karneval feiern.

Wenn alles klappt, bringt mir die Glückssträhne in meiner Mailbox gut 75 Millionen Schweizer Franken ein. Auf der Baselbieter Steuerverwaltung werden sie Karneval feiern, sollte meine Steuererklärung doch mal noch eintreffen. Und Anton Lauber gibt bei der Präsentation des nächsten Rechnungsabschlusses hoffentlich einen Caipirinha aus.

Wie meine guten Freunde Friedrich oder Tayeb will auch ich der Gesellschaft etwas zurückgeben. Wenn also Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, eine Million haben möchten, stecken Sie mir ungeniert eine Hunderternote in ein Couvert. Und damit Ihre Million nicht noch einen zeitraubenden Umweg über mein Konto machen muss, lasse ich Ihnen stattdessen einfach Friedrichs und Tayebs E-Mail-Adressen zukommen. Dann können Sie Ihre Million direkt in Serbien, Brasilien oder Kenia beziehen. Schreiben Sie unbedingt einen Gruss von mir. Dann gibt es sicher eine Bonus-Million obendrauf. Es geht halt nichts über persönliche Beziehungen.