Persönlich

Die Pendel-Monster oder: Die Netflix-Verschwörung

Ist sicher gerade am Netflix schauen. (Symbolbild)

Ist sicher gerade am Netflix schauen. (Symbolbild)

Früher gingen die Menschen in den Chor, in die Freiwillige Feuerwehr, in den Handball-Verein. Hatten sie die Zeitung fertig gelesen, starrten sie auch mal in den Himmel. Das taten die Menschen, früher. Wenn sie nicht gerade schliefen oder arbeiteten.

Heute tun die Menschen noch zwei Dinge, wenn sie nicht gerade schlafen oder arbeiten. Sie sitzen in irgendeinem öffentlichen Verkehrsmittel oder schauen Netflix. Häufig tun sie beides parallel. Das sind die Typen, die sich auf ihrem 4,7-Zoll-Handybildschirm die neuste Folge «You» reinziehen.

In den Nüstern der Geruch des Lachsbrötlis, das sich die Sitznachbarin zwischen die Kiefer schiebt. Und obwohl die durchschnittliche Arbeitszeit zurückgegangen ist in den letzten zwei Jahrhunderten, sitzen immer mehr Leute in irgendeinem öffentlichen Verkehrsmittel. Die Entwicklung wird vom Staat heftig gefördert. Heutige Fachhochschüler zum Beispiel – ständig unterwegs. Vorlesung X in A, Kurs Y in B, Prüfung Z in C.

Ich glaube, Netflix hat unsere Politiker unterwandert. Die schauen, dass wir immer mehr Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln verdingen müssen. Damit immer mehr von uns Netflix-Abos lösen. Weil wir das Pendeln nicht anders ertragen. Weil es uns so müde macht, dass wir am Abend nur noch Netflix schauen mögen.

Wäre doch eine nette Story: Die bösen Politiker, die ihre Schäfchen immer länger pendeln lassen, um sie Netflix in die Arme zu treiben. Die perfekte Story für eine neue Netflix-Serie.

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