Mein Leben im Dreiland

Die Rettung kam aus der Küche

Peter Gloor 2005 bei der Verleihung zum Officier de l'Ordre du Mérite de la République française

Die Regio Basiliensis hat ihrem Mitbegründer, langjährigem Präsidenten und Ehren-Präsidenten Peter Gloor eine Gedenkschrift gewidmet. Heute sind viele seiner Visionen umgesetzt und erleichtern den Alltag der Dreiland-Bewohner.

Auf einmal war die Grenze zu. Es ist viele Jahre her und wir hatten nicht geschaltet. Als unser Weihnachtsessen im Schweizer Teil des Flughafenrestaurants spätabends zuende ging, schauten wir dumm aus der Wäsche. Die beiden französischen Kolleginnen wollten zu ihren Autos, um nach Hause zu fahren. Diese aber standen im französischen Teil des Euro-Airport (EAP) und der war zu Fuss auf einmal unerreichbar. Der EAP-interne Grenzübergang hatte streng nach Vorschrift um 20 Uhr geschlossen.

Die Alternative wäre gewesen: Sieben Kilometer über die Flughafenstrasse zurück nach Basel, über die Autobahngrenze auf die französische Autobahn und die zweite Ausfahrt wieder zum EAP, um die Autos zu holen. Wir haben Glück gehabt. Die Küche des Flughafenrestaurants beliefert beide Seiten und ein verständnisvoller Mitarbeiter hat die Kolleginnen von der Schweizer auf die französische Seite geschmuggelt.

Ich hoffe, er hat keinen Ärger bekommen. Heute wäre das nicht mehr nötig. Seit vielen Jahren gibt es im Flughafen einen grossen, freundlichen Grenzübergang. Hier ist der Durchgang zu den Öffnungszeiten des Flughafens normalerweise immer möglich. Sein kleinerer Vorgänger und wohl auch Wegbereiter stammt von 1998. Vorher gab es gar keinen offiziellen Übergang. Sehr dafür eingesetzt hat sich damals Peter Gloor, der Regio-Pionier, der durch sein Engagement für die Kooperation über die Grenzen die Basis für so manchen Fortschrift legte, der uns heute selbstverständlich scheint. Neben vielen anderen Themen lag ihm insbesondere der bi-nationale Flughafen am Herzen.

Im Januar 2017 ist der Mitbegründer der Regio Basiliensis im Alter von 90 Jahren gestorben. Die Regio Basiliensis hat ihrem langjährigen Präsidenten und Ehren-Präsidenten eine Gedenkschrift gewidmet, in der der «Brückenbauer und Botschafter für die grenzübergreifende Zusammenarbeit am Oberrhein» ausführlich gewürdigt wird (Schwabe Verlag, 68 Seiten broschiert, Sfr 14.-).

In vier Texten von Weggefährten werden die wichtigsten Erfolge Gloors skizziert. Sie schaffen gleichzeitig einen Überblick über die Geschichte und Entwicklung der Regio Basiliensis und verdeutlichen, wie Gloor «mit seiner baslerisch geprägten Bescheidenheit meist im Hintergrund die Geschicke gelenkt hat.» Sein grosser Coup war der Regio-Gipfel vom 15. Dezember 1989, zu dem der schweizerische Bundespräsident Jean-Pascal Delamuraz und Bundesrat Adolf Ogi mit dem französischen Präsidenten François Mitterrand und dem deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl in Basel zusammen kamen und bei dem sie die trinationale Kooperation in einer Erklärung gut hiessen und propagierten. Neben einem Abbildungsteil finden sich die Ansprachen anlässlich der verschiedenen Auszeichnungen, die Gloor für sein Wirken erhalten hat, sowie einige Dokumente und Presseartikel.

Im Vergleich zu 1963, dem Gründungsjahr der Regio Basiliensis, hat sich das Dreiland beständig weiterentwickelt. Es gibt eine Vielzahl von grenzübergreifenden Strukturen und Kontakten, einen erfolgreichen Museumspass, Tram- und S-Bahnlinien über die Grenzen und eine Rheinuferpromenade von Basel St. Johann zur Dreiländerbrücke. Noch immer bleibt viel zu tun, aber der Visionär Peter Gloor könnte mit seinem Werk mehr als zufrieden sein.

Die Kolumne «Mein Leben im Dreiland» macht Herbstferien und meldet sich am 18.10. zurück.

peter.schenk@bzbasel.ch

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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