Kommentar

Die SBB sitzen am längeren Hebel

Die SBB und die Fachhochschule Nordwestschweiz spannen zusammen.

Die neuartige Vereinbarung zwischen SBB und Fachhochschule Nordwestschweiz ist zweifellos eine feine Sache. Sie resultiert aus der Einsicht heraus, dass die noch auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinaus steigenden Passagierzahlen im öffentlichen Verkehr mit anderen Methoden als bloss dem fortwährenden, immer teurer werdenden Ausbau der Bahninfrastruktur aufgefangen werden müssen. Insofern ist die Absicht, Zehntausende von Studentinnen und Studenten aus den Stosszeiten herauszulösen, bloss als Mosaikstein auf dem Weg hin zu völlig neuen Pendlermodellen zu verstehen. Wenn dadurch gleichzeitig die Automobilströme gemindert und die Verkehrskosten für die öffentliche Hand gesenkt werden können, umso besser. Folglich ist dem Muttenzer Pilotprojekt jeder nur erdenkliche Erfolg zu wünschen.

Gleichzeitig hat der Deal zwischen SBB und FHNW eine alarmierende Seite an sich. Darüber konnten gestern am Bahnhof Muttenz all die leckeren Lachsbrötchen, der Champagner und die bestens geschmierte PR-Maschinerie der Bundesbahnen nicht hinwegtäuschen. Die Abhängigkeit von den SBB steigt proportional zum ungebrochenen Mobilitätshunger der Bevölkerung. Die SBB diktieren in oftmals knallharten Verhandlungen, wo’s lang geht, und halten stets den längeren Hebel in den Händen – mit höchst realen Auswirkungen. Sei es auf die Liestaler Stadtentwicklung oder eben auf die künftige Stundenplangestaltung der Schweizer Hochschulen. Bund und Kantone tun gut daran, ihr staatseigenes Unternehmen nicht zum Staat im Staat werden zu lassen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1