Gastkommentar

Die SP steht sich in der Bildungspolitik selber im Weg

(Symbolbild)

Die Baselbieter SP fordert, die Unzufriedenheit der Mehrheit der Lehrkräfte mit Passepartout zu respektieren.

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Gastkommentar zum Streit über das Fremdsprachen-Lehrmittel Passepartout.

Gut drei Jahre sind verstrichen seit der Abwahl des SP-Regierungsrats Urs Wüthrich. Seither leckt die Partei vor allem ihre Wunden. Doch nun scheint sie in der Bildungspolitik neue Akzente zu setzen. Der erste Blick darauf ist verheissungsvoll, der zweite ernüchternd.

Während Wüthrich seinen Kritikern aus der Lehrerschaft noch mit juristischen Schritten drohte, schlägt Miriam Locher, Fraktionspräsidentin der Baselbieter SP, nun ganz neue Töne an. So fordert sie, die Unzufriedenheit der Mehrheit der Lehrkräfte mit Passepartout zu respektieren. Sie verlangt Mitsprache der Lehrpersonen bei der Auswahl neuer Schulbücher. Und weltweit anerkannte Französisch- bzw. Englischlehrmittel sollten ergänzend zugelassen werden.

Dieses ist alles umso erstaunlicher, als dass die totalitäre Passepartout-Fremdsprachenideologie ursprünglich allen Lehrkräften aufgezwungen wurde in Kombination mit einem totalen Verbot aller andern Lehrmittel. Aber auch die geforderten stofflichen Schnittstellen zwischen Primar und Sek. 1 sind zu begrüssen, denn sie sind unerlässlich für einen erfolgreichen Fremdsprachenunterricht. Dass auch Passepartout-Lehrmittel zur Anwendung kommen sollten, um die Ziele des Lehrplans zu erreichen, ist ein Widerspruch in sich selbst, da genau dies mit jenen Büchern nicht möglich ist, zumal Schnittstellen mit ihnen nicht zu definieren sind. Der Fairness halber sollte erwähnt werden, dass Frau Locher nur deshalb fordern kann, die Lernenden müssten Stoffziele erreichen, da diese dank des beharrlichen Einsatzes der Starken Schule beider Basel überhaupt in den Baselbieter Lehrplan aufgenommen wurden.

Lehrpersonen sollten bei der Auswahl neuer Lehrmittel nicht nur partizipieren, sie sollen sie wählen. Denn sie sind mit ihrer Erfahrung am besten dafür qualifiziert. Nachdenklich stimmt der Aufruf zur Eile, nachdem die SP Passepartout seit sieben Jahren durch alle Böden hindurch verteidigt, was sie noch immer tut. Denn die besten, international bewährten Lehrmittel sollen nur als gelegentliche Ergänzung nicht aber als Leitlehrmittel geduldet werden. Miriam Locher will offenbar nur Passepartout- bzw. damit verwandte Lehrmittel als offizielle Schulbücher akzeptieren. Wie keine andere Partei steht die SP für Chancengleichheit. Doch genau die verhindert sie mit ihrem Festhalten an Passepartout. Es sind nämlich die gut gebildeten und damit zumeist auch betuchten Eltern, die ihrem Nachwuchs erfolgreichen Privat-Fremdsprachenunterricht als Ersatz zum schulischen bieten können. Bildungsferne Eltern haben diese Chance eher nicht.

Ein weiterer Verstoss gegen die Chancengleichheit liegt vor, wenn Schüler A im Rahmen von Passepartout kaum Fremdsprachen lernt, während Schülerin B Glück hat, weil sich ihr Lehrer nicht an diese Ideologie hält. Chancengleichheit leitet die SP ab von ihrem Dogma der uniformen «Gleichheit der Menschen». Folglich verteidigt sie die Passepartout-Ideologie mit den für alle Lehrkräfte und Lernenden uniform verbindlichen Büchern verbunden mit dem bis vor kurzem totalen Verbot aller anderen Lehrmittel.

Das Dogma der «Uniformität der Menschen» als Teil des linken Selbstverständnisses macht die SP empfänglich für totalitäre, ausschliessende und auf Gleichmacherei basierende Konzepte in der Bildungspolitik. Damit dient sie letztlich Dogmen und Ideologien, nicht aber Menschen. In der Folge steht diese Partei sich selbst und den Schwächsten in unserer Gesellschaft im Wege. Denn gerade die Schwächsten, aber auch das grosse gesellschaftliche Mittelfeld bräuchten die SP. So verliert die Linke an die Rechte.

*Felix Hoffmann wohnt in Himmelried, ist Sekundarlehrer in Aesch und Mitglied der Starken Schule beider Basel.

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