Sterbehilfe ist in der Schweiz kein Tabu. Im Gegenteil. Sie ist in einem eigentlich erstaunlichen Mass akzeptiert. Den Mitgliederausweis einer Sterbehilfeorganisation zu haben, ist mittlerweile beinahe so opportun, wie einen Rega-Ausweis vorweisen zu können. Nur mit dem begleitenden Sterben möchte möglichst niemand zu tun haben.

Wenn vor dem Baselbieter Strafgericht die aktive Sterbebegleiterin Erika Preisig vor Gericht stehen wird, angeklagt der vorsätzlichen Tötung oder zumindest der fahrlässigen Tötung, so hat das Gericht über einen konkreten Fall zu richten. Doch darüber hinaus auch grundsätzlich darüber zu beraten, was es nun konkret heisst, wenn im Kanton jährlich über 100 Personen aus dem In- und Ausland in den Tod begleitet werden.

Basel-Stadt hat Preisig mit Bauvorschriften vor drei Jahren in die Landschaft vertrieben. Die Baselbieter Behörden machen mittlerweile Druck auf die begleitenden Fachärzte wie auf Apotheker, ohne deren Zutun Sterbehilfe nicht stattfinden kann. Bereits parlamentarisch wurde abgehandelt, dass die One-way-Touristen den Kanton jährlich 180'000 Franken kosten, da jeder Fall der Selbsttötung von der Staatsanwaltschaft untersucht werden muss.

Das Baselbieter Gericht hat Erika Preisig freizusprechen oder zu verurteilen. Der Prozess hat sich dann gelohnt, wenn es darüber hinaus zur Klärung beiträgt, unter welchen Umständen die Gesellschaft nicht nur Sterbehilfe, sondern auch das Sterben akzeptiert.