Rutschmadame

Die Stimmung in der Gesellschaft ist aggressiver als das Virus

Corona-Leugner an einer Demonstration gegen die Schutz-Massnahmen des Bundes und der Kantone. (Archivbild)

Corona-Leugner an einer Demonstration gegen die Schutz-Massnahmen des Bundes und der Kantone. (Archivbild)

Als das Corona-Zeitalter anbrach, gab es in Basel einen kleinen Aufschrei, weil die Fasnacht abgesagt wurde. Doch schnell war selbst dem eingefleischtesten Fasnächtler klar: Ist wohl besser so, traurig, ja, weil die Larvenmalerei umsonst war und die drei Tage nicht so schön werden, wie es der Kalender verspricht. Aber ok, wir wollen ja keine medizinische Katastrophe.

Und jetzt? Ist ein halbes Jahr vergangen – und Corona denkt nicht dran, sich zu verziehen. Das fiese Virus ist nach wie vor unter uns, die Zahlen des Bundes beweisen es: mal 300, mal 400 und mehr – und eine hohe Dunkelziffer. Eigentlich sollte inzwischen jedem klar sein: Corona ist in mehrerlei Hinsicht schädigend, aber real. Stattdessen machen sich Corona-Leugner und -Kritiker breit, sind unter uns, vielleicht sogar im Freundeskreis. Wie widersinnig und dumm es ist, eine Tatsache zu leugnen, muss ich nicht erklären. Sorge macht mir, dass die Dunkelziffer auch da hoch zu sein scheint.

Die Lager verhärten sich

Ist meine Freundin eine Leugnerin? Vorsicht ist geboten! Im März konnten wir noch vernünftig über Corona sprechen, Hamsterkäufe waren Thema und die Angst, einen Elternteil könnte es erwischen. Es ging uns allen gleich, nur wenige scherten aus, kaum jemand glaubte an eine Weltverschwörung. Wir waren im Gegenteil plötzlich eins, eine solidarische Gruppe verschiedenster Menschen. Und jetzt? Beginnen Gespräche über das Virus oft mit einem Antasten. «Sieht ganz so aus, als würde die nächste Fasnacht zu einem Quartier-Fasnächtli, gell …» An der Reaktion merken wir: Obacht, ein Wutleugner. «Pah! Ich werde drei Tage durchpfeifen, egal, was das BAG uns wieder weismachen will!»

Mittlerweile macht mir diese neue Stimmung, die Spaltung der Gesellschaft, fast mehr Angst als das Virus. Wir wissen ja, wie wir uns schützen können, kennen Begriffe wie Aerosole und verzichten auf den gutschweizerischen Handschlag. Aber wie können wir die Gesellschaft vor einer Vergiftung durch Wutleugner verschonen? Warum werden Menschen aggressiv, weil sie eine prekäre Situation nicht akzeptieren wollen? Und wozu sind manche Leute fähig, wenn sie sich durch andere bestätigt fühlen und gemeinsam erstarken? Wegen eines Virus!

Ich weiss es nicht.

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