Mein Leben im Dreiland

Die Super-Luxus-Bugattis werden im Elsass gebaut

Peter Schenk

Der Bugatti Veyron im Automobilmuseum von Mulhouse.

Die Bugatti Veyron und Chiron sind Unikate. Im Elsass sieht man sie nicht nur im Museum, sondern auch auf der Autobahn. Auf dem Colmarer Flughafen werden sie getestet und dorthin chauffiert. Ein Chiron kostet 2,4 Millionen Euro und hat 1500 PS.

Die elsässischen Autofans haben es gut. Mit etwas Glück können sie auf der Autobahn zwischen Strassburg und Colmar einen der super teuren Schlitten Bugatti Veyron oder Chiron entdecken. Der Chiron kostet die Kleinigkeit von 2,4 Millionen Euro und schafft es mit seinem 1500 PS-Motor in 4,2 Sekunden auf 100 Stundenkilometer. Auf der Autobahn darf er in Frankreich allerdings nur 130 km/h fahren.

Gebaut werden die Luxusautos seit 2005 im elsässischen Molsheim, 30 Kilometer südwestlich von Strassburg. Das erklärt auch, warum sie manchmal auf den normalen Strassen zu sehen sind. Um die Beschleunigung und Bremskraft der Autos testen zu können, schloss Bugatti ein Abkommen mit dem Flughafen von Colmar Houssen ab. Irgendwie müssen die Autos dorthin kommen und deshalb chauffiert man sie über die Autobahn. Der Flughafen wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs von den Alliierten gegründet und hat eine 1610 Meter lange Piste.

Luxus-Autos wurden in Molsheim schon seit 1909 gebaut. Zeitweise beschäftigte Ettore Bugatti, der Gründer der Marke, hier über 1000 Mitarbeiter. Bugatti baute viele Sportwagen, gewann damit unzählige Rennen und produzierte mit dem Royale 1926 eines der teuersten Autos aller Zeiten. Acht Zylinder und 300 PS hatte der Royale, von dem allerdings nur sechs Fahrzeuge gebaut und drei verkauft wurden. Eines gehörte ihm selber. 1932 nutzte Bugatti den Motor, um ihn in einen Zug einzubauen. Dieser fuhr damit 125 km/h – für die damalige Zeit war das schnell. Bugatti gelang es so, die finanziellen Verluste, die durch den Royale entstanden, im Rahmen zu halten.

Im Zweiten Weltkrieg zwangen ihn die Nazis, die das Elsass besetzt hatten, seine Fabrik an einen deutschen Unternehmer zu verkaufen. Nach dem Krieg erhielt er sie zurück, musste aber 1956 die Produktion in Molsheim aus wirtschaftlichen Gründen einstellen – rund 7900 Autos waren hier insgesamt hergestellt worden.

Wer sich für die Bugattis interessiert, dem sei ein Besuch im Automobilmuseum von Mulhouse empfohlen. Dort sind um die 120 Bugattis ausgestellt. Zu tun hat diese Häufung mit dem Sammel-Spleen des aus der Schweiz stammenden Industriellen Fritz Schlumpf. Seine Oldtimer-Sammlung umfasste 500 Fahrzeuge, darunter viele Bugattis, aber nicht nur. Zusammen mit seinem Bruder Hans hatte Fritz im Elsass ab Ende der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts ein kleines Textilindustrie-Imperium aufgebaut.

In den 70er-Jahren machten die Fabriken Konkurs, die Schlumpfs flüchteten nach Basel und 1977 besetzten Gewerkschafter und Arbeiter die Automobilsammlung. Heute ist hier auch ein Bugatti Veyron ausgestellt – eine Leihgabe allerdings. Die Markenrechte hat 1998 Volkswagen erworben. Chiron oder Veyron, die nach Rennfahrern benannt wurden, werden als Unikate von hoch spezialisierten Mechanikern per Hand zusammengebaut. Einen Chiron hat der Fussballstar Christiano Ronaldo gekauft.

Kürzlich wurde die Produktion von 50 auf 70 im Jahr erhöht. Falls Sie einen möchten, brauchen Sie allerdings trotzdem Geduld. Die Wartezeit beträgt derzeit dreieinhalb Jahre.

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Peter Schenk

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