Kürzlich am traditionellen Festmahl des Dies Academicus, der Jahresfeier der Universität: Am mehrere Meter langen Tisch eins sitzt in der Mitte Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki, ihr gegenüber Dominique König, die Präsidentin des Grossen Rates und damit formell höchste Baslerin. Wo bleibt der höchste Baselbieter Philipp Schoch? Ihm hat die Tischordnung einen Platz ganz aussen, mehrere Meter weit weg von der Rektorin zugewiesen. Der Landratspräsident am Katzentischli. Der bisher nicht publik gewordene protokollarische Fauxpas wäre nicht der Rede wert, würde er nicht so viel aussagen über die Position des Kantons Baselland im Umfeld der Uni.

Seit 2007 ist der Landkanton Mitträger der Universität und beteiligt sich gemeinsam mit Basel-Stadt paritätisch an der Finanzierung. Insgesamt kommen die beiden Basel für zwei Drittel der Beiträge der öffentlichen Hand auf. Aufgrund dessen könnte man meinen, die beiden Basel würden das Bildungsangebot und das dazu nötige Budget für die gemeinsame Uni partnerschaftlich aushandeln. Doch dem war bisher nicht so. Als im Juli 2015 die Baselbieter Regierung kundtat, bei der Uni 25 Millionen Franken sparen zu wollen, war der Aufschrei in der Basler Politik riesig: Wie konnten es die Tölpel vom Lande wagen, der Basler Uni – ihrer Uni – finanzielle Mittel zu verweigern? Das taktisch nicht sehr kluge Vorgehen förderte freilich aufschlussreiche Einsichten zutage: Mit ihrer Sparabsicht hatte die Regierung des Landkantons aus Optik vieler Städter ein Sakrileg begangen. In einer echten Partnerschaft darf es aber keine Tabus geben: Wenn sich Baselland finanziell zu gleichen Teilen wie die Stadt an der Uni beteiligt, so müssen die Kantone auch gleichberechtigt und auf Augenhöhe über Angebot und Ausrichtung verhandeln können. Dass dabei die Frage gestellt wird, ob die Uni in den kommenden Jahren auch mit weniger Geld auskommen kann, ist zumindest opportun. Ob mit einer Sparrunde in der diskutierten Höhe die Bildungsqualität gefährdet würde, steht auf einem anderen Blatt.

In der Stadt frönten in den vergangenen zehn Jahren einige einer Batzen-und-Weggli-Haltung, nach dem Motto: Das Baselbieter Geld nehmen wir gerne, doch über unsere Uni bestimmen wir immer noch in Eigenregie. Einige scheinen nicht mitbekommen zu haben, dass es die «Universität Basel» nicht mehr gibt, auch wenn sie sich aus PR-Gründen – verständlicherweise – noch so nennt. Die Vorstellung der Uni als rein baslerische Institution ist ohnehin überholt. Die Uni ist eingebettet in eine national und international eng verzahnte Hochschullandschaft.

Um die Uni langfristig zu sichern, ist ein Mentalitätswandel unabdingbar – und zwar beidseits der Kantonsgrenze. Auf städtischer Seite ist es nötig, die Existenz eines gleichberechtigen Partners, auf Land-Seite die Bedeutung der Uni als Grundpfeiler für den Wohlstand der Region anzuerkennen. In diesem Zusammenhang sorgte vor Jahresfrist ein anderer Fauxpas für Schlagzeilen: Damals hatte Monica Gschwind den Dies Academicus wegen eines privaten Termins sausen lassen; es wäre ihre erste Teilnahme als Baselbieter Bildungsdirektorin gewesen. Das ist zwar Gschwinds Privatsache, doch zumindest nahm sie in Kauf, dass ihre Abwesenheit am wichtigsten gesellschaftlichen Anlass aus ihrem strategisch bedeutendsten Dossier als Signal interpretiert wurde, dass dem Baselbiet die Uni eben doch nicht so wichtig ist.

Im ländlich-gewerblichen Baselbiet herrscht teilweise noch immer die Vorstellung einer Uni der Schöngeister vor, die wenig zum Bruttosozialprodukt beitragen. Ebenso fehlt teilweise die Einsicht, dass viele Handwerker- und Gewerbler-Jobs direkt oder indirekt von der Life-Sciences-Industrie abhängen, und für das Gedeihen letzterer wiederum eine qualitativ hochstehende Uni unabdingbar ist. Wenn Baselland also rund 170 Millionen Franken pro Jahr in die Uni steckt – das sind 100 Millionen mehr, als er bei einer Vollkostenrechnung für die eigenen Studierenden bezahlen müsste –, dann ist das nicht Mildtätigkeit, sondern eine Investition in den regionalen Wirtschaftsstandort.

Unsere Uni ist «too important to fail», doch eine starke Uni gibts nur mit einer Trägerschaft, in die beide Basel eingebunden sind. In den laufenden Verhandlungen zwischen Stadt und Land um die künftige Finanzierung sollte dies allen Beteiligten klar sein.