Was wir gerade erleben, passiert äusserst selten: So gut wie alle wichtigen Verbände, grossen Parteien und namhaften Exponenten des Landes sprechen sich geschlossen gegen eine Initiative aus. Es gibt handfeste Gründe für diese ungewöhnliche Einigkeit der Gegner der Vollgeld-Initiative, über die das Stimmvolk am 10. Juni auf eidgenössischer Ebene abstimmt: Würde die radikale Initiative an der Urne angenommen, wäre dies ein folgenschwerer Eingriff in ein funktionierendes Geldsystem – und ein Angriff auf eine bestens funktionierende Volkswirtschaft.

Darüber hinaus wäre es ein Frontalangriff auf den Finanzplatz und hätte schwerwiegende Folgen für die Geschäftsbanken, zu denen auch die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) gehört. Das Experiment Vollgeld würde das Fundament des Wirtschaftsstandorts stark beschädigen: Verlässlichkeit und Planbarkeit. Zwei Erfolgsfaktoren, die für das Gedeihen unserer KMU entscheidend sind.

Die Initianten wollen mit ihrer Vollgeld-Initiative das Finanzsystem der Schweiz sicherer und stabiler machen. Eine Annahme der Initiative würde jedoch genau das Gegenteil bewirken. Wenn nur noch die Schweizerische Nationalbank (SNB) berechtigt wäre, Geld zu schöpfen, würde die SNB plötzlich und ohne dies je angestrebt zu haben, zur Kreditversorgerin für Unternehmen und Private. Die SNB will und kann aber diese Verantwortung gar nicht übernehmen. Das betonte SNB-Präsident Thomas Jordan kürzlich in den Medien. Die Nationalbank habe nicht die nötigen Kenntnisse, um zu entscheiden, ob und in welche Sektoren Kredite fliessen sollen.

Die Kreditvergabe würde mit der Vollgeld-Initiative ineffizient und die Geldpolitik der SNB erschwert und verpolitisiert, sagte Jordan. Selbst der oberste Schweizer Währungshüter und Chef jener Institution, die durch die Initiative zusätzliche Macht verliehen bekäme, lehnt sie ab und warnt vor den ernsthaften Konsequenzen für die Volkswirtschaft.

Gefahr einer Kreditklemme

Welche Kredite dürfte die Basellandschaftliche Kantonalbank nach dieser fundamentalen Geldreform ihren Kundinnen und Kunden noch anbieten? Die Vollgeld-Initiative schreibt vor, dass Geschäftsbanken keine Kredite mehr aus sogenannten Sichteinlagen, zum Beispiel Guthaben auf Lohnkonten, schöpfen dürfen und stattdessen nur noch Gelder auf Sparkonten für eine Kreditvergabe infrage kommen.

Das Problem: Die Nachfrage nach Krediten ist weit höher, als dass man sie mit den Spargeldern abdecken könnte. Eine der gravierendsten Folgen der Initiative wäre eine Kreditklemme: Investitionen würden stark gebremst, wenn nicht gar ganz verhindert. Damit würden wir als BLKB einen wesentlichen Bestandteil unseres Leistungsauftrags aufs Spiel setzen. Jedoch stehen derzeit alle Zeichen auf Wachstum. Viele Firmen möchten investieren, unter anderem in neue Arbeitsplätze. Banken wie die BLKB sind in der Region verankert. Wir kennen die Bedürfnisse lokaler Unternehmen und die der Bevölkerung: Das Zinsdifferenzgeschäft ist unsere Kernkompetenz. Kunden vertrauen uns ihr Erspartes und ihr Vermögen an.

Gleichzeitig stellen wir diese Gelder als Kredite, sei es in Form von Hypotheken oder Limiten an Firmen in der Region, zur Verfügung. Die über 150-jährige Geschichte der BLKB zeigt eindrucksvoll, wie die Bank stets nahe beim Kunden agierte und das Baselbiet nicht nur aus Berichten und Modellrechnungen kennt, sondern hier verankert ist.

Das Versprechen der Initianten, unser Geldsystem sicherer zu machen, mag vielleicht im ersten Moment vielversprechend klingen. Beim genaueren Hinschauen wird aber schnell klar: In ihrer Umsetzung würde die Vollgeld-Initiative ausschliesslich Verlierer produzieren – auf Kundenseite, im Bankensektor und in der Wirtschaft im Allgemeinen. Die Gefahr, die von der Vollgeld-Initiative mit ihren unkalkulierbaren Risiken und einem hohen Schadenpotenzial für unser Land ausgeht, ist gross. So gross, dass wir aufpassen müssen, uns daran nicht die Finger zu verbrennen.