Vom 14. Stock des «Turms», einem Neu- und Anbau des Seniorenzentrums Schönthal, schaue ich ins Ergolztal hinunter und hinüber zu «meinen» beiden Dörfern. Es ist das Gebiet der einstigen Industrieregion Nieder-Schönthal, zu der auch ein eigenes Dörflein gehört hatte. Wie ist doch im Lauf der Jahrzehnte alles anders geworden! So wie sich die Landschaft verändert hat, so hat sich auch unsere Einstellung zum Alter gewandelt. Altwerden ist heute selbstverständlich. Aber die Rahmenbedingungen müssen angepasst werden, und eine neue Optik ist nötig. Wir sind uns heute viel mehr bewusst, was es heisst, alt zu sein. Die Lebensgewohnheiten sind anders geworden, das Wohnen im Alter, die Pflege und die Beziehungen zu Angehörigen und zum weiteren Umfeld bekommen einen neuen Stellenwert, können aber auch belastend und herausfordernd sein. Es sind neue existenzielle Situationen entstanden. Anmutige Hilfe, Humor und, ja, auch Zärtlichkeit sind jetzt besonders angesagt.

Altersthemen standen – logisch – im Zentrum des «Tags der offenen Tür» im erweiterten Seniorenzentrum Schönthal. Meine Frau und ich waren von Anfang bis zum Schluss dabei. Der Tag hat uns gutgetan, denn als «Vor-Babyboomer» (davon wird in meinem neuen Buch die Rede sein) sind auch wir von diesen Altersfragen betroffen. Der Prediger (ein «Philosoph» unter den Bibel-Autoren) hat schon recht, wie ihn Pfarrerin Andrea Kutzarow zitiert hatte:

«Denk an deinen Schöpfer, solange du noch jung bist, ehe die schlechten Tage kommen und die Jahre dir nicht gefallen werden». Nun, sehr viele von uns (aber längst nicht alle, das ist mir wohlbewusst) erleben immer noch gute Tage und die Jahre können uns durchaus gefallen und erfüllt sein mit prallem Leben und Erleben. Dennoch, um eine Gedichtzeile von Fridolin Tschudi abzuwandeln, ein leiser Hauch von Vergänglichkeit liegt sanft auf allen Dingen und mahnt dich an die Zerbrechlichkeit des Daseins und an das brüchige Glück im Alter.

Die Heimleitung hatte die ausgezeichnete Idee, zwei Referenten einzuladen, die in brillanten Vorträgen alle im vollbesetzten Saal in ihren Bann zu ziehen vermochten. «Altersvorsorge», so mein Fazit, bedeutet mehr als materielle, finanzielle Sicherheit. Die erfahrene Bettina Ugolini sprach von der schwierigen Ablösung und der neuen Situation, wenn ein Partner plötzlich alleine leben muss. Es finde ein Umbruch statt, ein Perspektivenwechsel, wobei die Angehörigen und die im Heim Arbeitenden, die Profis, zu Partnern werden müssen. Der emeritierte Professor Ueli Mäder wiederum setzte weitere Akzente. Er sprach von den anders gelagerten Bedürfnissen der alten Menschen. Einig waren sich beide Referenten darin, dass das Aufgeben des gewohnten Lebensstils zu Stolpersteinen werden und Paare aus dem Tritt bringen kann. Da ist Achtsamkeit vonnöten. Und auch die Erkenntnis: Das Alter, das ist das Andere. Geschichten von alten Leuten beginnen irgendwo und irgendwann, unfassbar, hören nie auf, weil gemeinsame Erinnerungen das Leben bereichern.