Bald wird es in Basel viel mehr Autofahrerinnen und Autofahrer geben als heute. Kinder, Blinde, Greise, Betrunkene, ja, sogar Hunde und Katzen, die heute alle nicht ans Steuer dürfen, bewegen sich schon in einem oder zwei Jahrzehnten unbegleitet mit individuellen Motorfahrzeugen in der Stadt. Diese Autos werden elektrisch, leicht und selbstfahrend sein. Das per App bestellte chauffeurlose Taxi wird zum erschwinglichen Normalfall. Uber hat soeben 24 000 selbstfahrende Volvos bestellt. Im Auftrag von Google zirkuliert in Arizona bereits eine ganze Flotte autonomer Vehikel.

Zwei Faktoren beschleunigen diese Entwicklung: Erstens die Aussicht darauf, dass die Zahl der Toten und Verletzten im Strassenverkehr durch Automatisierung um über 80 Prozent zurückgehen wird. Zweitens senkt die neue Technologie den Preis pro Fahrt gemäss verschiedenen Studien um mindestens 40 Prozent.

Weil mehr Leute Autos nutzen können, wird auch die Zahl der Fahrten zunehmen. Nicht aber die Zahl der Fahrzeuge auf der Strasse. Denn über «Car Pooling»-Software werden Menschen auf gemeinsamen Strecken Personenwagen teilen und damit noch mehr Geld sparen. Die Autoteilet-Technologie «Uber Pool» ist in Städten wie Paris, San Francisco oder Los Angeles bereits Realität. Allerdings noch mit Chauffeur, der in naher Zukunft wegfällt.

Die heutigen Fahrzeuge sind eher Stehzeuge. 95 Prozent ihrer Existenz verbringen sie auf einem Parkplatz. Hauptsächlich, weil Menschen die Verfügbarkeit ihres Autos sehr hoch schätzen. Sie wollen sich jederzeit hineinsetzen und wegfahren können. Wenn ich aber immer und überall innert Minuten ein Auto meiner Wahl per Handy bestellen kann, die Parkplatzsorgen am Ziel entfallen und die Kosten sinken, bringt ein eigenes Auto nur noch Nachteile. Die Stadt wird sich von Stehzeugen entleeren. Je nach Schätzung um 50 bis 70 Prozent in den nächsten 20 Jahren. In der Folge wird die Parkplatz-Knappheit verschwinden, die wir heute so heiss diskutieren. Denn die übrig gebliebenen Autos finden in vorhandenen Parkhäusern Platz. Der Verkehr wird deutlich ruhiger, weil selbst fahrend, und sauberer, weil elektrisch. Dieser Trend wird sich mit etwas Verzögerung auch auf die Agglomeration und das Land ausdehnen.

Und was bedeutet dies nun für die Zukunft des Parkierens in Basel? Kurzfristig mag es noch ein paar Engpässe geben, bis das autonome und geteilte Autozeitalter anbricht. Aber diese Übergangszeit ist deutlich kürzer als die 30 Jahre, die es braucht, um neue Parkhäuser zu amortisieren. Deshalb ist es schon heute fast unmöglich, einen Betreiber für das Kunstmuseums-Parking zu finden. Denn die Rendite dieses teuren Lochs ist mittelfristig nicht garantiert. Helfen würde den Investoren, wenn sie sich darauf verlassen könnten, dass im Umkreis von 500 Metern konsequent oberirdische Parkplätze abgebaut würden, wie das der Grosse Rat beschlossen hat. Im Falle des Claraparkings weibelten die Promotoren, unter ihnen Alt-Regierungsrat Christoph Stutz, engagiert für einen oberirdischen Parkplatz-Abbau im Quartier. Sonst hätte dieses Parking nie rentiert.

Um die kurzfristigen Engpässe in einigen Stadtteilen zu beseitigen, ist ein schrittweises Vorgehen sinnvoll. Zuerst muss die Besucherparkkarte teurer werden. Dies scheint von links bis rechts ein Konsens zu sein – und könnte bereits ausreichen, um das Problem zu lösen. Beim heutigen Preis von 10 Franken pro Tag (und 6 Franken pro Halbtag) ist es um ein Mehrfaches billiger, auf der Strasse zu parken als in einem der oft halb leeren Parkhäuser. Diese verrechnen in Zentrumsnähe für acht Stunden rund 30 Franken. Eine Besucherparkkarte müsste deshalb mindestens 30 Franken kosten.

Diese Massnahme wertet auch die Anwohnerparkkarte auf. Denn die Autos aus dem Quartier würden viel leichter einen Stellplatz finden. Und der Suchverkehr sowohl von Anwohnenden als auch von Gästen der Stadt würde sich massiv reduzieren. Alle, auch Quartierbewohner, Velofahrerinnen und Fussgänger, würden vom höheren Schutz vor Gefahren und Immissionen profitieren. Um echte Gastfreundschaft zu fördern, könnte der Kanton zusammen mit den jährlich verteilten Gratis-Sperrgutvignetten pro Haushalt zwei oder drei Tagespässe für parkierende Besucherinnen und Besucher verschenken.

All dies funktioniert jedoch nur, wenn die Polizei intensiver kontrolliert. Zum Beispiel tolerierte diese am Rande der Fasnacht letzte Woche reihenweise frech auf Trottoirs und in Parkverboten abgestellte auswärtige Autos. Derweil es in den Parkhäusern noch Hunderte von freien Plätzen gab. Da lobe ich mir das viel gescholtene Zürich. Die Stadt lebt sehr gut mit intensiven Kontrollen, die auch mehr Gerechtigkeit und Ruhe in den Verkehr bringen.