Gastkommentar

Die Zukunft liegt auf dem Bruderholz

Das Bruderholzspital

Das Bruderholzspital

Herman Steenhof ist Unternehmensberater und Vater von sechs Kindern. Er lebt in Sissach. Dies ist sein Kommentar zur Sanierung der Baselbieter Kantonsfinanzen

Eigentlich ist es ziemlich lustig, die Politik im Baselbiet zu verfolgen. Wer mit anderen Augen die gebotenen Vorstellungen anschaut, merkt augenblicklich, warum wir das Geld für das Theater in Basel sparen können. Wir kriegen viel besseres Theater von unseren eigenen ReGierenden geboten. Zum Beispiel das bekannte, alljährliche Schauspiel: «Das Budgetmärchen.»

Voller Freude kündigt der Finanzdirektor schwarze Ziffern an, um kurze Zeit später bereits rote Ziffern zu haben. Die Journalisten haben somit ihr Thema und lesen nicht viel weiter im Budget. Das Budget hat nur ein Ziel: 2017 nicht unter die 100 Millionen Eigenkapital zu fallen. Dann müssten nämlich die Steuern in Baselland automatisch steigen. Ab 2018 besteht dieses Problem nicht mehr. Denn dann kriegen wir neue Spielregeln, wonach wir weitere acht Jahre lang Defizite machen dürfen. Es gilt dann ein neues Finanzhaushaltsgesetz. Eine Meisterleistung der bürgerlichen Mehrheit. Keine Steuererhöhung.

Wo gemogelt wird? Am einfachsten sieht man es bei der Pensionskassensanierung: Statt wie geplant den Bilanzfehlbetrag seit Sanierungsbeginn mit 41 Millionen pro Jahr zu Lasten des Eigenkapitals abzubauen, wird diese Ratenzahlung auch 2017 aufgeschoben. Die höheren Mitarbeiterbeiträge werden aber seit Beginn als Ausgabenminderung verbucht. Hätten wir den Schuldenabbau nicht in die Zukunft verschoben, wären wir unter 100-Millionen-Grenze gefallen, und die Steuern müssten steigen.

Dabei könnte es auch anders gehen. Liestal möchte gerne weniger Kantonsverwaltungen bei sich, die keine Steuern bezahlen, damit der Raum frei für Unternehmen und Steuerzahler wird. Gleichzeitig wollen wir alle weniger für die Gesundheit ausgeben. Warum also nicht mal einen radikalen Ansatz wagen? Basel-Stadt braucht die Fusion der Spitäler, denn Basel-Stadt braucht höhere Fallzahlen für seine Universitätsklinik. Prima, soll die Stadt ihre Fallzahlen bekommen, und Baselland senkt gleichzeitig die Kosten.

Wie? Ganz einfach: Das Spital Liestal wird mit der Auflage an Basel-Stadt verkauft, es noch mindestens 25 Jahre weiter zu betreiben. Das Laufental kriegt sein eigenes Spital geschenkt. Dann darf das Laufental beweisen, dass dieses Spital als Vollspital unter der neuen Bundesgesetzgebung überleben kann. Das Bruderholz schliessen wir. Wenn wir dann noch die Fallpauschale auf das Niveau der Privatspitäler senken, haben wir sinkende Ausgaben im Gesundheitsbereich.

Aber was tun wir dann mit dem Bruderholzspital? Dort setzen wir die Verwaltung aus Liestal hinein! Alle Vorrichtungen sind vorhanden. Man kann auf dem Bruderholz die Verwaltung problemlos bündeln und ein Vermögen an Mietzinsen einsparen. Eine Sanierung wäre nicht notwendig. Vielleicht reichen die Kellerräume sogar für das Sammlungsdepot von Augusta Raurica. Mit dieser kleinen Massnahme sparen wir echt Geld. Zwar müssten wir Abschied nehmen von Altem und Vertrautem.

Einst war das Bruderholz wichtig. Doch heute braucht es dieses Spital nicht mehr. Diese Chance sollten wir nutzen. Die Stadt Liestal und ihren Geldbeutel wird es freuen. Finanzdirektor Toni Lauber kann endlich echte schwarze Ziffern schreiben. Ein Problem wird lediglich sein, welcher Regierungsrat im obersten Stock des Bruderholzes den Weitblick geniessen darf.

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