Die politischen Gegner jubilieren, könnte man meinen. Die mächtige Baselbieter SVP, grösste Partei im Landrat, zerfleischt sich selber. Nach einem internen Konflikt spalten sich zwei verdiente Landratsmitglieder ab, gründen ihre eigene Splitterpartei, schimpfen über frühere Parteifreunde. Alles vor den Augen der amüsierten Öffentlichkeit.

Für die SVP wird der Zwist verkraftbar sein. Sie verliert zwar zwei Sitze im Kantonsparlament, wird sich aber rasch erholen. Das Signal, das ein derart heftiger, nach aussen getragener Konflikt aussendet, ist jedoch fatal. Bei Politik-Verdrossenen verfestigt sich das Bild einer «Classe politique», die abgehoben und nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Die Alpha-Tiere gehen ihren Weg, ohne Rücksicht auf Verluste, unfähig zu Kompromiss und Mässigung – nicht einmal innerhalb der eigenen Partei. Verschärft wird das «Drehbuch» in dieser Tragik-Komödie, weil sich der Konflikt um Mandatsabgaben dreht. In den Augen vieler sind politische Mandats- und Amtsträger überbezahlt.

Im Fall SVP versus SVP kommt hinzu: Es handelt sich um eine Eskalation auf Ansage. Der Konflikt flammte im April erstmals auf. Ein halbes Jahr lang versuchte die Kantonalpartei zu vermitteln – es gelang ihr nicht, den Brand in der Sektion zu löschen. Auch das bestärkt die Wählerinnen und Wähler nicht im Glauben an die demokratischen Strukturen. Konsens, Ausgleich, Mässigung und Kompromiss gelten als die Pfeiler, auf denen die Schweiz ruht. Gerade der Partei mit «Schweizerisch» im Namen stünde es gut an, diese Werte hochzuhalten.