Schäferstündchen

Dort die Alten, hier die Jungen

Der Grosse Rat wird jünger.

Der Grosse Rat wird jünger.

Die beiden Kandidierenden fürs US-Präsidium weisen ein hohes Alter auf. Hingegen die Basler Politikerinnen und Politiker werden immer wie jünger. Das Durchschnittsalter ist stark gesunken und künftig werden acht Personen unter 30 Jahren im Grossen Rat politisieren. Unterschätzen sollte man «diese Jungen» jedoch keineswegs.

Heute wird in den USA der künftige Präsident gewählt. Aus dem Wahlkampf in Erinnerung bleiben wird das erste TV-Duell zwischen Donald Trump (74) und Joe Biden (77), in dem der demokratische Herausforderer den republikanischen Präsidenten anraunzte: «Will you shut up, man?» Das war kein Austausch kontroverser Meinungen, sondern das infantile Gezänk zweier alter Männer. Für das Publikum blieb keinerlei Erkenntnisgewinn, dafür jede Menge Fremdscham. «That was a shit show», kommentierte die CNN-Moderatorin Dana Bash. Dabei wurde nicht um Bauklötze gestritten, sondern um das höchste Amt in der grössten Volkswirtschaft der Welt.

Unabhängig davon, ob Trump wieder- oder Biden neu gewählt wird: Noch nie war ein amerikanischer Präsident bei Antritt seiner zweiten respektive ersten Amtszeit so alt. Erfrischend jung setzt sich derweil der Grosse Rat in Basel-Stadt ab kommendem Jahr zusammen. Zwar befindet sich die Mehrzahl der Volksvertreterinnen und Volksvertreter noch immer näher an der Bahre als an der Wiege. Nach den vergangenen Wahlen sinkt ihr Durchschnittsalter jedoch von 51 auf 47 Jahre. Künftig werden acht unter 30-Jährige im Grossen Rat politisieren.

Weder muss man eine Gerontokratie fürchten, noch einem Jugendwahn verfallen, um diese Entwicklung zu begrüssen. Über 30 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner im Kanton sind jünger als 30 Jahre. Gerade in der Klima- oder der Sozialpolitik besteht ein materieller Interessengegensatz zwischen ihnen und älteren Generationen; wenn es darum geht, nicht nur an die Gegenwart, sondern auch an die Zukunft zu denken. In einer Medienmitteilung aller Basler Jungparteien haben diese vor den Wahlen versprochen, «neuartige Wege zu finden, um Politik verständlich zu vermitteln und ohne alte Fehden zusammenzuarbeiten – auch über Parteigrenzen hinweg». Man sollte die jungen Grossrätinnen und Grossräte beim Wort nehmen, darf sie aber nicht allein auf ihr Alter abstellen. «Emanzipation besteht darin, nicht auf ein Merkmal reduziert zu werden», hat der Soziologe Armin Nassehi einmal gesagt. Er fügte den Nachsatz hinzu: «Oder sich selbst darauf zu reduzieren.»

Bereits in wenigen Wochen könnten «die Jungen» einen weiteren Erfolg verbuchen, wenn über die Trinkgeld-Initiative des Komitees Kulturstadt Jetzt abgestimmt wird. Diese fordert, dass jährlich mindestens fünf Prozent des kantonalen Kulturbudgets für die aktive Basler Jugendkultur verwendet werden. Unterstützt wird diese Forderung auch von Stephanie Eymann (LDP), Beat Jans (SP) und Esther Keller (GLP), die sich alle im zweiten Wahlgang um das Regierungspräsidium und damit um das Kulturdossier bewerben.

«Es ist das Schicksal jeder Generation, in einer Welt unter Bedingungen leben zu müssen, die sie nicht geschaffen hat», lautet ein Bonmot von John F. Kennedy, der mit 43 Jahren zum Präsidenten der USA gewählt wurde. Die Bedingungen kann man aber ändern.

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