Persönlich

Echt jetzt?

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An der Baselworld wird auch 2018 geklotzt.

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Ökonomen hören das nicht gern. Aber ich bin so frei. Finde es gut, dass sich die Baselworld ein bescheideneres Mäntelchen hat überstreifen müssen. Der Tag musste kommen, an dem das irrsinnige Wachstum der Messe ein Ende nimmt und der Grössenwahn auch. Wobei das nicht unbedingt für alle Aussteller gilt. Viele klotzen immer noch, als ob es kein Morgen in Basel gäbe. Einer ganz bestimmten Schweizer Luxusuhrenmarke täte ein wenig Bescheidenheit richtig gut.

Vor wenigen Tagen kündigte deren Presseabteilung ein «Superlative-Set» für Männer an: eine Uhr, über und über bestückt mit Diamanten, dazu ein kugelsicheres (sic!) Jackett aus Krokoleder. Der Chef setzte im Statement noch einen drauf: «Das ist eine Demonstration, wie weit wir gehen können in Sachen Exklusivität.»

Echt jetzt? Reicht der Ferrari mit Exklusivfelgen nicht, um gewisse Dinge in die Länge zu ziehen? Muss es Krokoleder sein? – Schlechtes Timing, sehr schlechtes Timing. Vor wenigen Tagen veröffentlichte der Fotograf Paolo Marchetti eine Reportage mit herzzerreissenden Bildern. Von Tieren, die wegen der Versessenheit der Modeindustrie auf Tierhäute und Pelze aufs Grausamste leiden müssen. Da sind auch Baby-Krokodile zu sehen, denen bei halblebendigem Leibe die Haut abgezogen wird.

Gerade eine führende Luxusuhrenmarke sollte mit gutem Beispiel vorangehen und auf echte Tierhäute verzichten. Denn: Noch nie war das so einfach. Modedesignerin Stella McCartney stellt etwa mit riesigem Erfolg ihre Taschen seit Jahren aus pflanzlichen Materialien her, sieht aus wie echtes Leder. Und ist sterbenscool. Nur, dass dabei keiner draufgeht.

Und jetzt diese perverse Uhr. Die Uhrenindustrie scheint der Zeit hinterherzuhinken. Ich würde der Marke sofort den Stand aufkündigen. Aber ist halt unökonomisch.

Autorin

Rahel Koerfgen

Rahel  Koerfgen

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