Nota Bene

Ein bisschchen wild, Mann

Wegen seines Nachnamens halten bei Benedikt Lachenmeier viele inne.

Wegen seines Nachnamens halten bei Benedikt Lachenmeier viele inne.

Ich bin zu müde, es ist zu kalt, ich habe keine Zeit. Gründe, es nicht zu tun, gibt es viele: Aber wer eine Mission hat, der macht es. So wie ich. Also nichts wie rein in die neue Jogginghose und raus auf die Strasse – bei minus zwei Grad und nach einem anstrengenden Tag im Büro.

Mein Startpunkt aus aktuellem Anlass: der Wild Maa-Horst. Dem gfürchigen Waldmenschen will ich es zeigen. Rund eine halbe Stunde braucht er am Vogel Gryff mit seinem Floss bis ins Kleine Klingental? Das lässt sich toppen! Der Weg am Rhein entlang ist ja leicht abfallend. In der Dunkelheit kommt mir ein bärtiger Mann entgegen. Der Wilde Mann in zivil? Nur nicht ablenken lassen, denke ich und renne weiter in Richtung Kaserne. Am Ziel zeigt meine schlaue Lauf-Uhr zwölf Minuten, 47 Sekunden an. Naja. Allerdings sind mir unterwegs ein paar Zimtschnecken über den Weg gelaufen.

Ich erinnere mich genau: Als Drittklässler hatte ich mich besonders fest auf den Vogel Gryff gefreut. Auf dieser Stufe dürfen die Kleinbasler Primarschüler am Wild Maa-Horst einen Schnägg essen. Das ist auch heute noch so, habe ich mir sagen lassen. Dieses Jahr gehen die Drittklässler sogar am Samstag zur Schule, um das Highlight nicht zu verpassen.

Wer am Vogel Gryff keine Zimtschnecke abbekommt, versucht, dem Wild Maa aus seinem Efeukranz einen Apfel zu stehlen. Ich selbst traute mich nie. Obwohl ich eigentlich ein frecher Bub war, hatte ich viel zu viel Angst vor diesem grimmigen Kauz.

Aber jetzt habe ich es ihm gezeigt. Das war allerdings erst der Anfang meiner Mission. Die Vogel-Gryff-Route endet ja nicht beim Kleinen Klingental. Also weiter geht’s auf dem Pfad der Kleinbasler Tradition! Ich jogge am Rheinweg in Richtung Theodorskirchplatz und mache unterwegs den obligaten Abstecher zum Käppelijoch.

Das Tanzen mit dem Rücken zum Grossbasel lasse ich sein. Obwohl mir das leichter fallen würde als den drei Ehrenzeichen. Leu und Wild Maa schleppen immerhin rund 20 Kilo mit sich herum, der Vogel Gryff sogar über 40. Dafür mache ich keine Pausen auf der Strecke. Also nichts mit Ueli-Bier in der Fischerstube.

Beim Rebhaus bekomme ich Hunger auf Kalbslääberli. Am Messeplatz bin ich schon ziemlich ausser Atem. Der Puls liegt bei 201 Schlägen pro Minute. Wie geplant lasse ich das Hirzbrunnen aus. Die drei Fabelwesen gehen schliesslich auch nicht zu Fuss in das etwas abgelegene Kleinbasler Quartier. Der Polizei-Oldtimer-Mannschaftswagen bringt sie hin und zurück. Die Abkürzung motiviert mich, auf den letzten Kilometern nochmals alles zu geben.

Einmal rund um die Kaserne, zurück zum Volkshaus und mit einem Endspurt die Strasse hoch bis nach Hause. Die Uhr piepst. Sieben Kilometer in 41 Minuten. Nicht schlecht. Von der Lauf-App erhalte ich die Auszeichnung «Schneemann», weil ich bei Minustemperaturen joggen gegangen bin. Schon ein bisschen wild, Mann.

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