Es stand schon lange fest, dass die Baselbieter Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer noch in diesem Jahr zurücktreten würde. Vielleicht passt es zum Naturell von «SLO», dass sie sich einen Spass daraus machte, das genaue Rücktrittsdatum öffentlich so lange geheim zu halten, obschon es parteiintern schon längstens glasklar kommuniziert worden war. Ein bisschen Eitelkeit und das Kokettieren mit der öffentlichen Meinung liegen ebenso in ihrem Naturell als «animal politique» wie ihre oft gerühmten messerscharfen Argumentationslinien und ihre beinahe schon sagenhafte Dossierfestigkeit.

Es wäre schön, wenn Leutenegger Oberholzers Verdienste auch ausserhalb des rot-grünen und feministischen Lagers eine angemessene Würdigung erfahren könnten. Gestern erhielt sie auf den üblichen Mitteilungskanälen in überwiegender Mehrheit bloss von Genossinnen und Genossen Worte des Dankes für ihren jahrzehntelangen Einsatz. Denn gerade an ihrem Beispiel liesse sich eine alte, heute leider viel zu oft missachtete demokratische Tugend bestens wiederbeleben: die Achtung vor dem politischen Gegner. Im Verlaufe ihrer Laufbahn konnte man sich weiss Gott unzählige Male über ihre Äusserungen aufregen und sich an ihren Positionen reiben. Aber was sie sagte und politisch umsetzte, machte sie zum Wohle des Landes und seiner Bevölkerung. Genauer gesagt: zu dem, was sie unter Wohl für Land und Bevölkerung verstand. Daran sollte man stets denken, bevor man politische Reizfiguren wie SLO mit Verachtung und Hasszuschriften eindeckt.