Abstimmungen BL

Ein «Ja, aber» zum Lehrplan 21

Der Lehrplan 21 ist umstritten.

Der Lehrplan 21 ist umstritten.

Das Baselbieter Stimmvolk zeigt sich bei der Bildung von seiner eigenwilligen Seite. Es sagt grundsätzlich Ja zur Einführung des Lehrplans 21 und stärkt dem Bildungsrat den Rücken – versenkt aber im gleichen Atemzug die Sammelfächer.

Die Resultate der Baselbieter Bildungsvorlagen sind bemerkenswert, hatten doch fast alle Komitees, Verbände und Parteien zu beiden Vorlagen jeweils ein doppeltes Ja oder ein doppeltes Nein empfohlen. Das Nein-Ja war nicht vorgesehen. Und es stellt die Akteure vor Probleme bei der Deutung des Resultats. 

Dabei liegt die Erklärung auf der Hand. Das Baselbieter Stimmvolk weiss sehr genau, wohin die Reise gehen soll mit der Bildung im Landkanton. Es befürwortet den Lehrplan 21, wenn auch mit Einschränkungen: ohne Sammelfächer. Genau dies dürften wiederum Bildungsexperten als inkonsequent kritisieren: Sammelfächer sind ein wichtiger Bestandteil des Lehrplans 21. Und es sei unsinnig, die Einzelfächer im Bildungsgesetz festzuhalten, so, wie es nach dem Resultat vom Wochenende gemacht werden muss. Eine derartige Präzisierung gehöre nicht ins Gesetz. 

Die Kritiker haben recht: Es ist tatsächlich nicht stufengerecht, Einzelfächer im Gesetz festzuschreiben. So wird Bildung zum starren Gebilde, die Schulen können nicht auf veränderte Anforderungen reagieren. Doch dem Stimmvolk war diese gesetzliche Komponente egal. Vielmehr entschied es, vermutlich aufgrund eigener Schulerfahrungen, dass ein Fach wie Geschichte oder Geografie nicht in einem Sammelfach untergehen darf.

Jetzt wird es schwierig für Bildungsdirektorin Monica Gschwind. Mit dem Verzicht auf die Sammelfächer ist Baselland in diesem Punkt seit gestern tatsächlich eine Bildungsinsel. Gschwind muss bei der Pädagogischen Hochschule ein «Sonderzüglein» beantragen, dass die Lehramts-Studierenden weiterhin für die traditionellen Einzelfächer ausgebildet werden können. Hätte der Landrat bei der Einführung des Lehrplans 21 mitzureden gehabt, wären aber noch ganz andere Probleme auf Monica Gschwind zugekommen. Im Vergleich dazu ist das Sonderzüglein Einzelfächer eine Spazierfahrt für sie. Gschwind hat sogar selber die Tickets gebucht.

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