Bei meinem letzten Besuch in Freiburg im Breisgau ist mir das erste Mal so richtig der Platz der Alten Synagoge aufgefallen. Er ist Teil der erweiterten, verkehrsberuhigten Innenstadt und findet sich zwischen der neuen Universitätsbibliothek des Basler Architekten Heinrich Degelo, dem Stadttheater und der Universität.

Vielleicht lag es am Novemberwetter, aber so richtig begeistern mochte mich der 130 mal 130 Meter grosse Platz nicht. Denn er kommt wie eine Steinwüste daher. Eindrücklicher ist da schon eine Art Brunnen mit zwölf Fontänen. Seine Form zeichnet den Grundriss der Alten Synagoge nach, die die Nationalsozialisten hier in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 niedergebrannt haben.

«Der Brunnen soll somit einerseits als Mahnmal dienen und andererseits durch die Form des Brunnenelements und Wasserspiels auch Teil einer modernen und lebendigen Platzgestaltung sein», so eine Medienmitteilung der Stadtverwaltung. Mit dem neuen Platz entstehe ein abwechslungsreicher und kommunikativer Ort, an dem unterschiedliche Nutzungen möglich sein sollen.

Nachdem der Platz nach einer Rekordbauzeit von 16 Monaten schon im Hochsommer statt wie geplant erst im Herbst 2017 eingeweiht worden war, mussten die Stadtväter schnell die Erfahrung machen, dass das Gleichgewicht zwischen Gedenken und lebendiger Nutzung nicht so leicht zu halten ist.

Da planschen Kinder fröhlich im Wasser, Bier wird gekühlt, oder Skatebordfahrer vergnügen sich an Holzbänken und Steininseln mit ihren Tricks. Ausserdem hat sich herausgestellt, dass die im Brunnen eingelassene Gedenkplatte öfter übersehen wurde. Mit dem Aufstellen von zwei Informationstafeln soll sich das jetzt ändern. Darauf steht unter anderem auf Englisch und Deutsch geschrieben: «Der Wasserspiegel ist ein Ort des Erinnerns. Wir bitten um ein respektvolles und der Würde des Ortes angemessenes Verhalten.»

Schwierig. Ich bin Deutscher und komme aus einer Generation, in der wir gegenüber unseren Eltern und Autoritätspersonen nicht immer ganz fair mit Nachdruck eingefordert haben, zu ihrer Verantwortung in der Nazizeit zu stehen und uns selber ein stückweit mitverantwortlich fühlten für den Holocaust. Wenn ich an einem Denkmal wie in Freiburg stehe, bewegt mich das.

Ich bin gespannt, wie die Freiburger mit den selbst geschaffenen Problemen um den Platz der Alten Synagoge und ihrem Mahnmal weiter umgehen. Die Grundriss-Idee ist überzeugend, und die Vergangenheit ist aufgearbeitet. So findet sich auf den Stelen auch ein Hinweis auf die Internetseite der Stadt, die Informationen zur NS-Zeit wie die Deportation von 450 Freiburger Juden enthält.

Ich habe mich bei der Medienstelle erkundigt. Verbote seien keine geplant, hiess es. Auch zitiert sie Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden: «Ich habe kein Problem damit, dass Kinder mit dem Wasser spielen. Es gibt so viele traurige Gedenkstätten. In diesem Fall ist das Wasserbecken Teil des Lebens auf dem Platz.» Ich finde das eine schöne und beruhigende Antwort.