Früher war hier mal die Grenze. Davon ist – bis auf sporadische Kontrollen – nichts mehr zu spüren. Die Palmrainbrücke verbindet seit September 1979 das deutsche Weil am Rhein mit dem elsässischen Huningue und Village-Neuf. Die ehemaligen Zollanlagen auf der französischen Seite sind durch neue Gebäude ersetzt worden, in denen sich der Sitz des Trinationalen Eurodistricts Basel und die Informationsstelle Infobest befinden. 

Seit Ende August kann man hier auch einkaufen. Nicht Autos – noch vor einigen Jahren boten findige Zeitgenossen auf den Parkplätzen ihre Gebrauchtwagen mit dem gewünschten Kaufpreis und einigen Informationen umsonst zur Ansicht an – sondern Gemüse, Käse, Charcuterie, Brot, Oliven, eingelegte Tomaten und grilliertes Fleisch. Sechs bis acht Stände sind es in der Regel. 

«9000 Autos in jeder Richtung fahren täglich über die Brücke», sagt Denis Bugeaud vom Käsestand. Ziel ist es natürlich, dass von ihnen mit der Zeit immer mehr anhalten. Wegen der vielen Parkplätze ist das kein Problem. «Ein bis zwei Jahre braucht es, bis ein neuer Markt läuft», erklärt Bugeaud. Man müsse geduldig sein und sich auf die Bedürfnisse der Kunden einstellen. 

Die Chance, dass vor allem Elsässer Grenzgänger die Möglichkeit nutzen, hier am Mittwochabend noch schnell für zu Hause einzukaufen, ist gross. Es waren aber auch schon deutsche und Schweizer Kunden da. Allerdings braucht man ein Auto, denn an den öV ist die Brücke nicht angebunden. Mit dem Velo dauert es vom Basler Marktplatz 25 Minuten, wohl doch eher etwas für Frühling oder Sommer. 

Geöffnet ist der kleine Markt jeden Mittwoch von 15 bis 20 Uhr – allzu pünktlich geht es allerdings nicht los. Es gibt regionale Produkte aus dem nahen Elsass. Den Käsestand kenne ich vom Markt in Saint-Louis und kann ihn sehr empfehlen, die Charcuterie hat mich begeistert. Auch das Angebot von Martine Beley mit ihrem Olivenstand macht Lust. Und beim Brot habe ich mich im Nachhinein geärgert, nichts gekauft zu haben. 

Bis 2006, als mit der Dreiländerbrücke ein Übergang für Velofahrer und Fussgänger gebaut wurde, war die Palmrainbrücke die einzige direkte Verbindung zwischen dem Südelsass und Weil am Rhein. Als Vater der Brücke gilt der elsässische Zentrumspolitiker, Industrielle und Humanist André-Paul Weber, der Anfang Juli 2016 im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Ende November wurde auf der französischen Seite in der Nähe der Gebäude ein Gedenkstein eingeweiht, der Webers Verdienste würdigt. 

Darauf heisst es, wohlgemerkt auf Deutsch und auf Französisch: «Europäisch zu sein bedeutet für mich, an den Frieden zu glauben und zusammen etwas Grosses bauen zu wollen, durch die Macht des Rechts und im Sinne der rheinischen Humanisten.» Mit der Palmrainbrücke für Europa hat Weber seinen Traum verwirklicht, «eine Brücke zwischen den Menschen zu schlagen und somit zum Frieden der Völker beizutragen.»