Tausend Erinnerungen an die Waldenburgerbahn wirbeln durch meinen Kopf, wenn ich an die Eröffnung der neuen Haltestelle „Talhaus“ und an den neuen Standort der altehrwürdigen Dampflok „Gedeon Thommen“ denke. Eine besondere Bahn, zu der ich als Bub, wie die meisten Leute im Tal, eine besondere Beziehung hatte. Die WB war uns schlicht unentbehrlich, und mit grosser Zuneigung  bin ich ihr bis heute ideell verbunden geblieben.

Einige Episoden mögen meine Emotionen, die kalt rechnende Politiker nie verstehen werden, verständlich machen. Ein Beispiel unter vielen: Durfte oder musste ich mit Mutter das Basler Stadttheater besuchen, was häufig vorkam, galt es vorher, genau abzuklären, wann wir den Saal verlassen mussten, um in Liestal noch rechtzeitig den letzten Zug ins Tal hinauf zu erreichen. Der damalige Fahrplan war noch nicht so dicht wie heute, besonders am Abend nicht. Gottlob gab es hin und wieder Nachmittagsvorstellungen.

Drei weitere Gründe für meine ungebrochene Liebe zum „Waldenburgerli“ will ich hier in aller Kürze aufzeigen. Unauslöschlich in Erinnerung ist mir der 25. Oktober 1953 geblieben. Ich bin mutmasslich der letzte Überlebende, der an jenem Sonntag sowohl den elektrischen Extrazug nach Liestal  - Abfahrt 12 Uhr mittags in Waldenburg - als auch die feierliche Inbetriebnahme der elektrifizierten Bahn mitmachen konnte. Ein 13jähriger Bub, wenn doch nur eingeladene Gäste an beiden Fahrten dabei waren? Nun, mein Onkel „Schwyzer Joggi“, der spätere Dr. h.c. iur. Jakob Schweizer, hatte mir seine Einladung gezeigt und sie dann mir überlassen. So setzte ich mich in Waldenburg in den Zug mit lauter erwachsenen Gästen und wechselte in Liestal in einen Wagen der neuen elektrifizierten Bahn. Ins Tal hinauf ging`s mit festlichem Empfang an allen Stationen. Kein Hahn hatte je nach mir gekräht.

Sechzig Jahre später hatte der junge Historiker Lorenz Degen und ich aus ganz privatem Antrieb die Ausstellung „60 Jahre unter Strom“ konzipiert und in den Räumen der Station Waldenburg, mit tatkräftiger und fachmännischer Hilfe von Hans Weigum, durchgeführt. Das Echo und das Interesse waren derart erfreulich gross, dass wir diese Ausstellung mit vielen alten Dokumenten (Fotos, Zeitungsauschnitten, literarischen Zeugnissen, Filmausschnitten) im folgenden Frühjahr nochmals im Restaurant Falken in Liestal zeigen konnten.

Auch im „Kulturjahr 09 Waldenburgertal“ war die Bahn natürlich ein grosses Thema. Auch für mich. Wie aber bringen wir den Zug mit der Literatur in Verbindung? Eine junge Gemeinderätin in Niederdorf fand die geniale Lösung: „Literatur in der Waldenburgerbahn“! Die Direktion machte gerne und interessiert mit, und so konnten wir, wieder mit Lorenz Degen, auf acht fahrplanmässigen Fahrten in einem „Literaturwagen“ acht verschiedene Programme anbieten. Vier waren regionalen Autorinnen und Autoren reserviert. Auch hier kam es in den Folgejahren zu zwei Wiederholungen.  Das Echo war ebenfalls gross, und selbst in Basel war dieser etwas verrückte Literaturanlass ein Thema. Noch heute werde ich hin und wieder darauf angesprochen.

So hat mich die alte Waldenburgerbahn ein Leben lang begleitet. Bald ist sie Geschichte. Auch wenn Nostalgie die Gedanken trüben wollen, so wird die umfangreiche und beschwerliche Umbauphase doch eine neue Bahn hervorbringen und dem Tal neue wirtschaftliche  Impulse geben. Das ist gut so! Die BLT wird wissen, wie wichtig eine gut funktionierende Waldenburgerbahn für alle ist und bleiben wird. Sicher wird sie in jeder Beziehung keine „Schmalspurbahn“ mehr sein!