Munzach-Kinder

Ein Rappen pro Steinchen

Sonja Hauer (77) war eines der wenigen Mädchen, die auf der Munzach-Grabung mitgeholfen haben. Unzählige Mosaiksteinchen sind durch ihre Finger gegangen, manche nicht nur einmal.

Ich bin in den Genossenschafts-Häusern unmittelbar neben der Munzach-Grabung aufgewachsen. Das Grabungsfeld war sozusagen mein Spielplatz. Wir Nachbarskinder waren an schulfreien Nachmittagen und in den Ferien fast immer dort. Nicht gerade zur Freude meiner Eltern. Sie fanden, ich solle lieber in ihrem Garten mithelfen. Aber die Grabung war natürlich viel spannender! Als Mädchen habe ich vor allem nach Mosaiksteinchen gesucht und sie später zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Die schweren Arbeiten wie schaufeln und pickeln haben die älteren Knaben erledigt. Pro gefundenes Mosaiksteinchen bekamen wir einen Rappen. Natürlich wussten wir, wo Strübin die Steinchen lagerte, und so schlichen wir uns manchmal in einem unbemerkten Moment in die Baracke und erschienen mit «soeben gefundenen Steinchen» am Zähltisch. Allzu oft konnten wir das aber nicht machen. Wenn er das bemerkt hätte! Das hätte ein Donnerwetter gegeben.

Wir hatten auch diese Lore-Wagen, auf denen wir die Erde abtransportierten. Das war praktisch, und bot sich auch für allerlei Unfug an. Wir haben uns da reingesetzt und sind in den Pausen darin herumgefahren. In den Pausen gab es manchmal auch «Himbi», das war ein Süssgetränk von Eptinger. Das war etwas Besonderes! Bei uns zu Hause gab es einfach Pfefferminz-Tee und nichts anderes.

Ich mag mich auch gut an die zahme Krähe des Nachbarsjungen Erich Lauber erinnern. Sie hiess «Schaggi» und er nahm sie oft mit auf die Grabung. Sie konnte sogar sprechen und unsere Namen sagen. Mich mochte sie aber gar nicht, sie pickte mir immer in die Waden und versuchte mich zu vertreiben. Nur wenn ich sie fütterte, war sie lieb mit mir. Ich habe die Zeit bei Theo Strübin auf der Grabung sehr genossen. Wäre er nicht gewesen und hätte er nicht so viel Zeit und Geld in dieses Projekt investiert, wären all die Schätze nie zum Vorschein gekommen.»
«Archäologie in Kinderschuhen» Die neue Ausstellung im Dichter- und Stadtmuseum Liestal beleuchtet die Geschichte der legendären Munzach-Grabung. Im Hinblick darauf veröffentlicht die bz in drei Teilen Augenzeugenberichte von heute noch lebenden Munzachbuebe und -meitli. Bisher erschienen: Christian Wieser (7.8.). Die Ausstellung öffnet am Freitag, 17. August 2018 um 18.00 Uhr mit einer öffentlichen Vernissage. Der Eintritt ist frei.
www.dichtermuseum.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1