Die öffentliche Meinung am Donnerstag nach der Urteilseröffnung war schnell gemacht, kräftig angeheizt von der Stimmungsmache des Opferanwalts: beschämend tiefe Urteile, Versagen der Staatsanwaltschaft, Kuscheljustiz. Die nüchterne Betrachtung des Monster-Falls «Dojo» fällt genau gegenteilig aus. Das ganze Verfahren war ein Sieg des Rechtsstaats. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft war sich von Anfang der Bedeutung des bandenmässigen Überfalls bewusst und versuchte mit beispiellosem Aufwand, die Schuldnachweise der Täter zu erbringen. Wo dies gelungen ist, fällte das Strafgericht angemessene, sauber begründete Urteile. Wo der Tatnachweis wegen fehlender Beweise nicht zu hundert Prozent gelang, folgte die Richterin dem hehren Grundsatz «Im Zweifel für den Angeklagten».

Man kann fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass jetzt Teilnehmer jenes Überfalls straflos ausgegangen sind. Das ist stossend. Selbst im Gerichtssaal wurde wohl noch gelogen, dass sich die Balken bogen. In den Verhören deckten sich die meisten Beschuldigten gegenseitig. Doch all das ist in der gesellschaftlichen Gesamtbetrachtung weniger schlimm als eine von der öffentlichen Meinung vor sich hergetriebene Justiz, die mit zweifelhaften Methoden versucht, «exemplarische», «abschreckende» Urteile zu erwirken. Ohne unumstössliche Beweise wie DNA-Spuren, die es in den meisten Fällen eben nicht gab, wäre der einzige Weg der Strafverfolgungsbehörden gewesen, Geständnisse herauszupressen. Davon sind wir in unserer Justiz weit entfernt – zu unser aller Wohl.