Keiner glaubte mehr daran. Ich übrigens auch nicht. Bis diese Woche mein Kollege im Keller stand und sagte: «Das kriegen wir easy wieder hin.» Die Rede ist von meiner Vespa, Jahrgang 1978. Vor zwölf Jahren habe ich dieses Ding in Uster für 1600 Franken erstanden. Zwar mit funktionierendem Motor, aber sonst in desolatem Zustand. Aber genau das war der Plan: günstig eine alte Vespa kaufen, demontieren, Teile ersetzen, Bleche lackieren, wieder zusammenbauen.

Top motiviert machte ich mich mit einem Freund an die Arbeit. In ein paar Stunden war das Wäschpi zerlegt. Damit hatte es sich auch. Seltsamerweise verschanzten sich die Einzelteile des Oldtimers über Jahre im Keller. Unangetastet. Irgendwie gab es damals wichtigere Dinge zu tun. Zum Beispiel der Auszug aus dem Elternhaus in eine eigene Wohnung. Wohlbemerkt ohne Vespa. Meine Mutter fand es nur mässig lustig.

Ich weiss nicht mehr warum, aber irgendwie haben es Rahmen und Kotflügel fünf Jahre später doch noch zum Sandstrahlen in eine Werkstatt geschafft. Und gleich ein paar Wochen darauf verpasste mein Götti in seiner Spritzerei der Vespa meine Wunschfarbe Steingrau mit leichtem Gelbstich.

Als Gegenleistung half ich ihm, seine alte Küche rauszureissen. Plättli abspitzen und Kästli abschrauben – das machte Spass. Wie das geht, musste man mir nicht zeigen. Im Gegensatz zum Vespa-Bau. Als Schreibtischtäter hatte ich doch keine Ahnung vom Schrauben! Und so wanderte das Fahrzeug für weitere sieben Jahre zurück in den Keller.

Bis ich eben diese Woche das gute Stück zur Vollendung in die Werkstatt meines Kollegen brachte. Es wäre super, wenn ich schon in ein paar Wochen das «L» am Heck anbringen und mit der Vespa herumdüsen könnte. Bei allen Zweiflern würde ich vorbeifahren und sagen: «Seht her, ich habe es geschafft!» Ich wäre bestimmt einen ganzen Tag lang unterwegs. Skeptiker haben sich über all die Jahre viele angehäuft.

Aber zuerst ist das Ostergeschenk für meine Tochter dran. Man könnte sagen, es wäre nicht nötig, auf die Schoggieier und Osterhasen noch einen draufzupacken. Aber ich gebe zu: Meine Schwester und ich haben uns auch immer gefreut, wenn uns die Eltern beispielsweise mit einem Brettspiel überraschten. Und ich hätte ja auch gerne ein Wäschpi zu Ostern.

Von den Rabatten auf Bäbis und Bauklötze liess ich mich beim Ostergeschenk für meine Dreijährige nicht verführen. Ein Projekt musste her: der eigenhändige Bau eines Sandkastens für den Hinterhof. Ein in Einzelteilen zerlegtes Holzmodell in Form eines Schiffs und 150 Kilogramm Sand sind angeschleppt, der Akkuschrauber für die Montage ist organisiert. Noch heute mache ich mich an die Arbeit. Schliesslich will ich meiner Tochter zuliebe nicht erst in zwölf Jahren mit dem Sandkasten fertig sein.