Die Vertreterinnen und Vertreter der Region Basel in Bern setzen sich zusammen mit den Kantonsparlamenten und den Regierungen dafür ein, dass unsere Region endlich über ein S-BahnSystem verfügt, das diesen Namen verdient. Unter der Bezeichnung Herzstück kämpfen wir dafür, dass begangene Unterlassungen behoben werden und Benachteiligungen der Nordwestschweiz ein Ende finden. Das Herzstück, das die beiden Basler Bahnhöfe verbinden soll, ist zwar ein wichtiger Teil, eben das Herz. Im Vordergrund steht aber das Projekt einer trinationalen S-Bahn, die neben den Baselbieter Tälern und dem Fricktal auf deutscher Seite das Rhein- und Wiesental und den Oberrhein sowie auf französischer Seite Mulhouse, Strasbourg und den Euro-Airport Basel-Mulhouse-Freiburg (EAP) miteinbezieht.

In jüngster Zeit torpedieren VCS, Grüne und Grünliberale und Teile der SP Baselland die geplante Bahnanbindung des EAP. Diese sei «unnötig». Allen ist gemeinsam, dass sie dem Flughafen gegenüber kritisch eingestellt sind. Mit dem Projekt «Neue Bahnanbindung Euro-Airport» sollen eine sechs Kilometer lange Neubaustrecke als Abzweiger der heutigen Bahnstrecke Mulhouse–Basel sowie eine neue Haltestelle beim Flughafengebäude gebaut werden. Es ist davon auszugehen, dass die neue Haltestelle bei der Inbetriebnahme von rund 5,8 Millionen Passagieren pro Jahr benutzt wird. Dies entspricht in etwa der heutigen Passagierfrequenz des Bahnhofs Liestal. Die neue Haltestelle EAP wird nach Strasbourg zum zweitgrössten Bahnhof im Elsass, noch vor Mulhouse. Benutzer der neuen Haltestelle sind nebst den Flugreisenden vor allem rund 6300 Angestellte auf dem Flughafengelände, die dank attraktiveren Zugverbindungen von Mulhouse, Colmar, Basel, Liestal oder Strasbourg auf das Auto verzichten können. Damit wird eine deutliche Verkehrsverlagerung vom Auto auf die Schiene ermöglicht.

Nebst dem direkten Nutzen für die Zufahrt zum Flughafen ist das Projekt der neuen Bahnanbindung EAP Teil des Gesamtkonzepts für die trinationale S-Bahn Basel. Dank der direkten Erschliessung des Flughafens kann ein Potenzial an Bahnnutzern neu erschlossen werden, das ein attraktives Angebot der S-Bahn überhaupt erst ermöglicht. Auf folgenden S-Bahn-Linien kann neu ein durchgehender Halbstundentakt angeboten werden:

  • Mulhouse–EAP–Basel–Liestal
  • EAP–Basel–Aesch–Laufen
  • TER 200 Strasbourg–Mulhouse–EAP– Basel SBB

Damit wird das Bahnangebot auf dem Ast von und nach Frankreich deutlich gestärkt. Die neuen Durchmesserlinien in Basel ersetzen die bisherigen Umsteigeverbindungen, die aufgrund der Umsteigezeiten für viele Pendler unattraktiv sind. Die Reisezeiten werden verkürzt und zuverlässiger. Viele Berufspendler aus Frankreich werden die neuen Verbindungen nutzen, um zu ihren Arbeitsplätzen im Baselbiet oder im Fricktal zu gelangen. Zudem kann sich der Bahnhof St. Johann dank dem besseren S-Bahn Angebot zur neuen Drehscheibe im Norden Basels entwickeln. Schliesslich wird dank der neuen Haltestelle Morgartenring auch Allschwil an das S-Bahn-Netz angeschlossen.

Mit dieser ausgebauten Schieneninfrastruktur kann ein Teil zusätzlicher Mobilität umweltgerecht bewältigt werden. Der Bund anerkennt die Vorteile eines EAP-Bahnanschlusses im Entwurf zum Ausbauschritt 2030/35. Finanziert wird dieser Teil der trinationalen S-Bahn aber zum überwiegenden Teil von Frankreich. Man stelle sich vor: Den grünen Vorstellungen entsprechend fährt die künftig trinational verkehrende S-Bahn am Flughafen vorbei. Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus dem Elsass können nach Laufen oder Stein fahren, die gut 6300 Arbeitnehmenden des EAP können aber dort nicht aussteigen, ganz zu schweigen von den Flugreisenden.

Den Anschluss der trinationalen S-Bahn an den EAP aus dem trinationalen S-Bahn-Netz zu streichen, ist ein Bumerang erster Güte. Wer verkehrspolitisch engstirnig denkt, Partikularinteressen wie den Kampf gegen den Flughafen in den Vordergrund stellt, die Vorteile der übergeordneten verkehrs- und umweltpolitischen Zielsetzung einer trinationalen S-Bahn ausblendet, verabschiedet sich aus der Debatte um eine nachhaltige Lösung verkehrspolitischer Herausforderungen am Oberrhein und schwächt die Anstrengungen für eine trinationale S-Bahn. Das Projekt der neuen Bahnanbindung EAP dient in allererster Linie der ganzen Region durch ein attraktiveres Angebot der trinationalen S-Bahn Basel. Die Bahnanbindung EAP ist ein Bestandteil, nicht mehr, aber auch nicht weniger.