Von Zeit zu Zeit meldet sich eine Frau auf meinem Handy. Ich kenne sie nicht, kann sie mir mittlerweile aber sehr gut vorstellen. Sie ist eine aufdringliche Person. Mittleren Alters. Mit braunen Haaren, die unten rundgeföhnt sind und sagen: «Ich habe mein Leben im Griff, alles ist perfekt.» Ihr Mund ist zu einem Zahnpasta-Werbungs-Lächeln geformt. Ein weisser Zahn reiht sich an den nächsten. Die Wangen leuchten rot, auf der Stupsnase vier, fünf Sommersprossen, im Sommer werden es mehr. Sie wohnt mit ihren beiden Kindern Bettany und Damon und ihrem Mann Anthony in einem Vorort. Das Häuschen ist weiss mit roten Fensterläden. Vor den Fenstern Blumentöpfe, die Geranien darin verwelken nie.

Wenn die Frau spricht, das tut sie oft, aber nicht so häufig, dass es jemanden nerven würde, betont sie die Vokale. Ihre Freundinnen sagen über sie: «Sie ist immer für mich da und hilft mir in jeder Lebenslage weiter.» Feinde hat sie keine. Wenn sie am Abend von der Arbeit nach Hause kommt, ruft sie «Hallo Kinder», gibt Anthony einen kleinen Kuss und lässt sich ein Bad ein.

Bei Schulanlässen bringt sie Muffins mit. Nicht die Backmischung-Muffins, die staubtrocken und viel zu süss sind. Muffins mit Schokoladenfüllung und kunstvollen Verzierungen darauf. Sie spricht mit den anderen Eltern über Zankereien, die bei Geschwistern doch immer vorkommen, bei ihr zu Hause aber nicht so oft. Die anderen Eltern sind nicht eifersüchtig, fragen sich nur, wie sie das macht, und schauen ihr nach, wenn sie ihre Tupperwareboxen einpackt (die sie nie irgendwo vergisst) und nach Hause geht.

Wieder meldet sich die Frau und weckt mich aus meinen Tagträumen, unsympathisch. Ich gehe auf «Einstellungen» und wische den Schieber nach links. Bye, Siri!