Kommentar

Einen Riesenbock geschossen

Künftig fahren die AAGL-Busse zunehmend in Schwefel- statt in Postauto-Gelb. Im neuen Logo fällt das «Liestal» weg.

Künftig fahren die AAGL-Busse zunehmend in Schwefel- statt in Postauto-Gelb. Im neuen Logo fällt das «Liestal» weg.

Die SBB lassen künftig das S weg, schliesslich wissen wir alle, dass wir in der Schweiz sind. «Bundesbahnen» reicht also. Das wäre etwa so unsinnig, wie wenn Apple – aktuell immerhin die weltweit wertvollste Marke – den angebissenen Apfel durch einen Salatkopf ersetzen würde.

Marken sind Ausdruck einer Identität, und zwar nicht nur des Unternehmens, sondern auch der Kunden. Bei Autos, Motorrädern oder Computer-Betriebssystemen gibt es regelrechte Marken-Communitys. Oft wird dabei mit dem Kauf eines Markenartikels das Gefühl der Zugehörigkeit zu etwas Grösserem verbunden. 

Bei der Marke «Autobus AG Liestal» (AAGL) funktioniert es umgekehrt: Durch den Zusatz «Liestal» wurde der öV-Dienstleister Teil von etwas Grösserem, nämlich der lokalen Identität. Mit dem Verzicht auf die Teilhabe an dieser im Baselbiet sehr ausgeprägten emotionalen Grundstimmung gibt die AAGL einen Teil des immateriellen Werts des Unternehmens auf – und das ohne Not.

Die Begründung, die Trennung in «Auto» und «Bus» umschreibe die beiden Geschäftsfelder (Dienstleistungen und öffentlicher Verkehr), entpuppt sich als Kopfgeburt. Das zeigen die Reaktionen des Publikums und von Aktionären. Und dies ausgerechnet in einer Zeit, in der man angesichts der drohenden unerwünschten Übernahme durch die BLT dringend auf öffentliche Sympathie angewiesen wäre.

Einziger, aber schwacher Trost: Auch grössere öV-Player begehen Marken-Selbstmord: Der französische Hochgeschwindigkeitszug TGV heisst künftig «InOui» – und erntet dafür bei den Franzosen nichts als Spott.

Autorin

Daniel Haller

Daniel Haller

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