Kürzlich musste ich aus familiären Gründen relativ kurzfristig nach Hamburg reisen. Mehrere Easyjetflüge waren ausgebucht, und da habe ich mich daran erinnert, dass die Bahn bisweilen günstige Reisen, kombiniert mit Hotelübernachtungen, anbietet – genau Letzteres benötigte ich ausnahmsweise. Unsere Redaktion befindet sich in Laufnähe zum Bahnhof SBB. Da lag es auf der Hand, zuerst dort nachzufragen. Aufgrund der Bauarbeiten im Reisecenter war das Reisebüro ins Untergeschoss zur Gepäckabteilung verlegt worden.

Der Besuch war ernüchternd. Von Sonderangeboten für die Bahnreise war nicht die Rede und zwei Nächte im Einzelzimmer, das ich brauchte, hätten im Dreisternehotel mit der Zugreise in der 2. Klasse über 550 Franken gekostet. In dem einen Hotel hätte es zwar eine dritte Nacht gratis gegeben, aber ich konnte nicht länger bleiben. In einem anderen Dreisternehotel wäre ich mit 548 Franken für zwei Nächte dabei gewesen.

Ich muss auch einräumen, dass mich der Prospekt von Railtour, «Eurostädte», mit den differenzierten Preisen je nach Reisezeit etwas entnervt hat. Kam hinzu, dass für eine Buchung mindestens eine knappe Woche Vorlaufzeit nötig gewesen wäre. Die Unterlagen vom Hotel müssten noch kommen, sagte die Dame vom Reisebüro. Ich konnte mich nicht entscheiden und wollte sowieso noch im Badischen Bahnhof nachfragen, denn auch dort gibt es ein Reisebüro – von der DB, wie ich richtig vermutete.

Dort sah der Prospekt von Ameropa bei weitem nicht so chic aus wie der von Railtour, aber die Angebote waren dafür unschlagbar. Im September und Oktober gab es ein Bahn-Upgrade von der 2. in die 1. Klasse. Die komfortable Reise von Basel nach Hamburg kostete retour gerade mal 89 Euro, dazu kamen neun Euro für die Sitzplatzreservierung. Ausserdem ist das Billett vier Wochen gültig und es gibt keine Zugbindung, wenn ich die Reservierung nicht in Anspruch nehme. Bedingung für diesen Traumpreis ist die Buchung eines Hotels. Ich wäre am liebsten von Sonntag bis Dienstag gefahren, also sehr kurzfristig – das war in zwei Tagen.

Ich habe mir keine grossen Hoffnungen gemacht, aber der Herr im Reisebüro hat in seinem Computer tatsächlich ein Dreisternehotel einige Minuten zu Fuss vom Hamburger Hauptbahnhof gefunden. Mit Frühstück kostete das Einzelzimmer 229 Euro. Insgesamt habe ich für die Reise schliesslich 329 Euro bezahlt. Natürlich war der DB-Mitarbeiter parteiisch, aber ich habe seiner Werbebotschaft, Städtereisen im Badischen Bahnhof und nicht im Bahnhof SBB zu buchen, aufgrund meiner Erfahrung geglaubt. Im November und Dezember gibt es, allerdings nur in der 2. Klasse, die Bahnreise nach Berlin und drei Übernachtungen im Dreisternehotel ab 162 Euro, allerdings kann es in Zeiträumen mit grossen Messen auch teurer werden und es kommt noch ein bescheidener Einzelzimmerzuschlag hinzu. Ähnliche Angebote gibt es zum Beispiel für Hamburg, Prag oder Wien. Das Vergleichen lohnt sich also.

Ende Jahr schliessen die SBB allerdings sämtliche Reisebüros. Städtereisen kann man dann nur noch im Internet buchen. Ich habe das getestet und fand es mühsam. Ich buche eine Reise lieber bei einem Menschen. Im Badischen Bahnhof wird das auch weiter möglich sein. Zwar prüfe auch die DB ständig die Wirtschaftlichkeit ihrer Standorte, schrieb ein Sprecher. Aber: «Das Reisebüro in Basel Badischer Bahnhof erfreut sich aufgrund des aktuellen Wechselkurses einer starken Nachfrage und steht derzeit nicht zur Disposition.»