Der Kanton Basel-Stadt zeigt mit seinem soeben revidierten Energiegesetz einen Weg zu einer erneuerbaren und unabhängigen Energieversorgung, der Mietern und Hausbesitzern keinen Rappen Mehrkosten verursacht. Am Wochenende ist die Referendumsfrist zum neuen Basler Energiegesetz ungenutzt verstrichen. Damit gilt nun, was das Parlament aufbauend auf der Regierungsvorlage Ende 2016 genehmigt hat: Den fossilen Energieverbrauch von heute rund sechs auf eine Tonne pro Einwohner und Jahr zu reduzieren und stattdessen bis 2050 den Anteil der sauberen erneuerbaren Energien auf 90 Prozent zu steigern.

Wenn in den letzten Monaten die Medien über das neue Energiegesetz berichteten, standen die neu zugelassenen Heizpilze im Fokus. Diese sind zwar für den Energieverbrauch einer Stadt nicht wesentlich, aber ein Sinnbild für das neue Gesetz, das nicht auf die absolute Einschränkung des Energieverbrauchs setzt, sondern ins Zentrum stellt, dass die verbrauchte Energie klimafreundlich erzeugt wurde. Denn inzwischen ist reichlich erneuerbare Energie zu günstigen Konditionen verfügbar – dies zeigt sich in einem Überangebot an Strom und fast bodenlosen Stromgrosshandelspreisen.

Zwar peilt der Kanton durchaus anspruchsvolle Ziele an. Fernwärme wird zu 80% klimaneutral mit Energie aus Holz und Abfall erzeugt. Die Ziele will er nicht mit Verboten erreichen, sondern mit einem flexiblen, wirtschaftlichen Ansatz. Im neuen Gesetz heisst es: «Beim Ersatz des Wärmeerzeugers in bestehenden Bauten ist dieser auf erneuerbare Energien umzustellen, soweit es technisch möglich ist und zu keinen Mehrkosten führt.» Es gibt also keinen generellen Zwang zur Nutzung erneuerbarer Energien.

Weil aber erneuerbare Heizsysteme – verglichen mit den Kosten von Öl- und Gasheizungen unter der bestehenden Regulierung – konkurrenzfähig sind, hat die neue Bestimmung eine weitreichende Wirkung. Nur selten wird ein neues fossiles System bei einer Vollkostenrechnung günstiger kommen, und ebenso selten gibt es keine technische Alternative basierend auf Wärmepumpen, Fernwärme oder Holz. Und wenn dennoch ein fossiles System aufgrund tieferer Kosten eingebaut wird, sind Effizienzmassnahmen der Gebäudehülle oder der Haustechnik vorzunehmen.

Heizungen mit erneuerbarer Energie bieten heute eine äusserst effiziente und wirtschaftliche Klimaentlastung, insbesondere, wenn man in Betracht zieht, dass Massnahmen an der Gebäudehülle um ein Vielfaches teurer sind. Jeder Ersatz einer Erdölheizung durch ein Heizsystem spart jährlich mehr Erdöl und CO2 ein als zwei Autos. Überzeugende Argumente für das erneuerbare Heizungssystem sind neben den geringeren Kosten und dem Klimaschutz vorab eine grössere Unabhängigkeit von Erdöl exportierenden Ländern wie Russland und den arabischen Staaten.

Von einem Umstieg, wie er in Basel eingeleitet wurde, profitieren auch Wirtschaft und Gewerbe: Die investierten Gelder in erneuerbare Energien (Wärmepumpen, Holzheizungen, Fernwärme) kommen lokalen Installationsbetrieben zugute und fliesen nicht ins Ausland ab, um Erdöl und Gas zu bezahlen. Unter dem Strich profitieren vom neuen Gesetz also alle im Kanton Wohnenden oder Arbeitenden – sei es durch neue Wertschöpfung, durch tiefere Kosten oder durch saubere Luft.