Primarschüler sollen am Mittagstisch weiterhin Schweinefleisch vorgesetzt erhalten. Das fordert die Binninger SVP, und das ist ihr gutes Recht. Der Partei geht es aber gar nicht so sehr um den Klöpfer als Schweizer Kulturgut – das ist klar.

Ihr geht es um ein Signal in Richtung Behörden: Wenn ihr auf Wünsche von religiösen Minderheiten eingeht, gehen wir auf die Barrikaden. In Binningen. Und sonst wo. Auch wenn es sich um Dinge wie einen verweigerten Handschlag oder um verschmähte Klöpfer handelt.

Die Volkspartei hat es, auch in diesem Fall, auf Muslime abgesehen. Das ist eindeutig, selbst wenn die Binninger SVP diese Gruppe nicht nennt. Die Partei bedient damit Ressentiments von Leuten, die den Islam als Bedrohung sehen. Abgesehen davon, wie berechtigt die Ängste sind: Die Gemeinde Binningen hätte diese Reaktion voraussehen können.

Ihr Vorgehen bei der Ausschreibung war unbeholfen. Wer «kein Schweinefleisch» als Bedingung nennt, weckt schlafende Hunde. Somit hinterlässt beides einen Nachgeschmack: der Vorstoss der SVP und die Naivität der Behörden.

Bemerkenswert ist, dass sich das «Problem» Schweinefleisch an den Binninger Mittagstischen offenbar von selber erledigt hat: Nachdem der Caterer bemerkt hatte, dass die betreffenden Menüs nicht ankommen, ersetzte er sie durch feine Alternativen. Vermisst hat das Schweinefleisch bisher offensichtlich niemand. So löst man Probleme.