Neidisch blickt unsere Region auf Zürichs neuen Tiefbahnhof oder die beispielhafte
S-Bahn, welche die Agglomeration Zürich umfassend erschliesst. Bei uns ist demgegenüber etwa das Leimental mit einer Bevölkerung von über 60'000 Menschen lediglich durch eine Tramlinie direkt mit der Stadt verbunden. Viele fühlen sich von Bern vernachlässigt. Vertreterinnen und Vertreter beider Basel in Bundesbern sind deshalb regelmässig mit der Frage konfrontiert, was sie eigentlich für die Region herausgeholt haben.

Für einmal dürfen wir für uns in Anspruch nehmen, in Bern etwas für die Verbesserung des Angebots des öffentlichen Verkehrs im Leimental erreicht zu haben. Unser Ziel muss sein, der Bevölkerung des Leimentals, die in der Stadt oder deren Umgebung arbeitet, mit umsteigefreien Direktverbindungen ein attraktives Angebot und einen kürzeren Arbeitsweg zu bieten und erst noch – worauf alle hoffen – die beiden Hauptstrassen zu entlasten. Entsprechende Bundesmittel sind freigegeben. Das Projekt Margarethenstich weist als wichtiger Baustein zudem im Rahmen der Agglomerationsprogramme der ersten Generation das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis aller Projekte auf. Kleingeist, ein eingeschränkter Blick auf die Gesamtverkehrslage und unredliche Argumente stellen diese Erfolgsgeschichte nun infrage.

Das sind die Hauptgründe, weshalb das Referendum eine Abfuhr verdient:

1. Umsteigefreie Direktverbindungen bewirken einen Nachfrageschub: Die neue Linienführung des Trams 17 bietet umsteigefreie Direktverbindungen vom Leimental zu den grossen und wachsenden Arbeitsplatzzentren der Stadt und den Verkehrsdrehscheiben Bahnhof SBB und Badischer Bahnhof. Die grosse Nachfragewirkung von direkten, umsteigefreien Verbindungen konnte bereits zweifach nachgewiesen werden. Zum einen mit der Verlängerung der ehemaligen Birsigthalbahn über ihren Endpunkt bei der Heuwaage ins Zentrum Basels und zum damaligen Industriezentrum Klybeck, zum andern mit der direkten Linienführung zum Bahnhof SBB im Rahmen des Projektes Euroville.

2. Entlastung der Strassen im Leimental: Der Margarethenstich bewirkt eine Verlagerung des Autoverkehrs auf den öffentlichen Verkehr von bis zu 1000 Personen pro Tag während der Hauptverkehrszeit. Die Strassen im Leimental werden entlastet. Dies gilt insbesondere auch für die Gemeinden des vorderen Leimentals Bottmingen und Binningen als Übergang zur Stadt Basel.

3. Hervorragendes Kosten-Nutzen-Verhältnis: Die neue Linienführung über den Margarethenstich führt zu keinen betrieblichen Mehrkosten, weil eine bereits bestehende Tramlinie während der Stosszeiten an neue Zielorte mit hohem Nachfragepotenzial geführt wird. Es wird keine einzige Person zusätzlich eingestellt, es muss kein Fahrzeug neu beschafft und kein Depot erweitert werden. Erforderlich ist lediglich eine Einmalinvestition in der Grössenordnung von 21 Millionen Franken in die Infrastruktur, die zu zwei Dritteln durch Baselland und zu einem Drittel durch Basel-Stadt finanziert werden.

Dies ergibt für Baselland brutto einen Betrag von 14 Millionen Franken. Davon sind die Beteiligungen des Bundes (4,4 Mio.) und der BLT (2 Mio.) abzuziehen. Für den Kanton bleiben einmalige Investitionskosten von 7,5 Millionen.

Alle anderen vom Referendumskomitee kolportierten Zahlen sind falsch, und seine Argumente erweisen sich als unredlich. So ist die Sanierung der Haltestelle Dorenbach aufgrund der Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes zwingend erforderlich und wird erst noch vom Bund über den Bahninfrastrukturfonds finanziert. Und die in der Stadt sinnvollerweise gleichzeitig mit dem Bau der Tramlinie zu tätigende Investitionen (etwa in Leitungen von IWB) haben nichts mit dem Tramprojekt zu tun. In der Abstimmung geht es um den Bruttokredit für Baselland, von dem die Beiträge des Bundes und der BLT in Abzug zu bringen sind.

Wer sich verkehrspolitisch zu Worte meldet, sollte sich von einer Gesamtsicht und überwiegenden Interessen leiten lassen – und nicht von lokalpolitischen Überlegungen, die sich in diesem Fall erst noch als Rohrkrepierer erweisen. Es geht nicht um fünf Minuten, die dank der umsteigefreien Direktverbindung eingespart werden können. Es geht um den Umsteigeeffekt, die Erleichterung des Arbeitswegs und vor allem um die Entlastung der Strassen während der Stosszeiten, vom umweltfreundlichen Gewinn ganz zu schweigen. Ich setze mich deshalb überzeugt für ein Ja zum Projekt Margarethenstich ein. Nicht zuletzt profitiert auch meine Wohngemeinde Binningen stark davon.