Leider ist das Museum «Musée d'Histoire Locale et Militaire de Huningue» nur jeden 1. und 3. Sonntag des Monats von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet, ein Ausflug in das elsässische Nachbarstädtchen am Rhein lohnt sich dafür aber allemal. Dies umso mehr, als der Weg nach Huningue von Basel aus immer einfacher wurde und bald, mit der für April geplanten Einweihung der Rheinuferpromenade vom St. Johann zur Dreiländerbrücke, noch attraktiver wird.

Seit Dezember 2015 hat Huningue mit der 8er-Tramverlängerung nach Weil am Rhein sogar eine eigene Tramhaltestelle: Es reicht, bei der ersten Haltestelle nach der Grenze auszusteigen und über die wunderschöne, filigrane Dreiländerbrücke nach Frankreich zu spazieren. Seit ihrer Freigabe im März 2007 hat die weltweit längste freitragende Velo- und Fussgängerbrücke des Architekten Dietmar Feichtinger eine Menge Preise eingeheimst. Leider ist die Stele auf der deutschen Seite, die darüber informiert, versprayt, sodass nicht alles lesbar ist.

Auf jeden Fall ist die Brücke sehr beliebt und wird von vielen Franzosen auch zum Einkauf im Rheincenter genutzt, das sich auf deutscher Seite direkt neben dem Brückenabgang befindet. Die vielen Einkaufswagen, die auf der französischen Seite abgestellt sind, zeugen vom Erfolg des Supermarkts. Begonnen hat dieser mit der Einführung des Euros. Das machte den Preisvergleich für die Elsässer einfacher und verdeutlichte, dass die französischen Supermärkte mit dem deutschen Niedrigpreisniveau nicht mithalten können.

Gerne kaufen die Elsässer auch Feuerwerkskörper und Raketen für Silvester in Deutschland ein. Allerdings sind viele davon in Frankreich verboten, wovon auf der französischen Seite der Brücke auch die Kopie eines aktuellen Erlasses des Colmarer Präfekten zeugt. Die französische Polizei hat deshalb sogar schon auf der Brücke vor Silvester kontrolliert.

Um Kanonen und Pulverdampf geht es auch im bereits erwähnten kleinen Museum, das sich in einem alten Gebäude aus dem 17. Jahrhundert befindet. «Es wurde so gut erhalten, weil hier von 1871 bis 1918, als das Elsass zum Deutschen Reich gehörte, preussische Offiziere untergebracht waren.» Diese hätten sich sehr für Geschichte interessiert, erklärt Robert Jarosz, der im Museum Führungen macht.

Die ehemalige Festung Huningue wurde von 1679 bis 1681 von Vauban gebaut. Das Museum thematisiert auch die Schlacht von Friedlingen von 1702, angegriffen wurde die Festung aber zum ersten Mal 1796. Es folgten die Belagerungen von 1814 und 1815, von denen letztere als erste erfolgreich war. Ein Gemälde von Eduard Detaille zeigt, wie die verbliebenen 30 französischen Soldaten unter Wahrung der soldatischen Ehren mit ihren Waffen die Festung verlassen. Das gleiche Gemälde hängt in einer grossen Ausgabe von sechs mal fünf Metern im französischen Senat. Ausserdem wurde das Sujet vor kurzem als Briefmarke herausgegeben.

Nach 1815 erreichte Basel, dass die Festung geschliffen wurde. «Die erste französische Befestigungsanlage durfte sich nicht näher als 25 bis 30 Kilometer von Basel befinden», betont Jarosz. Thematisiert werden im Museum auch die beiden Weltkriege, ferner sind historische Trachten und Kostüme zu sehen.

Neben dem Museum befinden sich am Abbatucci-Platz eine Bar/Tea Room, ein Laden für Delikatessen und ein Geschäft für gebrauchte Bücher. Direkt neben der Dreiländerbrücke lädt ein Tea Room/Wine Bar zum Einkehren und Weinkaufen ein – allerdings haben nicht alle Geschäfte jeden Sonntag offen, die Beizen normalerweise schon.

peter.schenk@bzbasel.ch