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Das ständige Sexualisieren des weiblichen Körpers muss aufhören

Bikini-Figur hossa!

Das ständige Sexualisieren des weiblichen Körpers muss aufhören

Letztes Jahr warens die Trainerhosen, jetzt sinds die freizügigen Tops und Hosen. Vergangene Woche hatte die Schulleitung des Gymnasium Oberaargau in Langenthal ihren Schülerinnen per Mail eine «Kleiderempfehlung» zukommen lassen: keine durchsichtigen, bauchfreien oder trägerlosen Oberteile, keine zu kurzen Hosen. Rings a bell? Ähnliche Vorschriften hatte die zuständige Leitung ein Jahr zuvor auch den Basler Schülern des Leonhard machen wollen – mit wenig Erfolg.

Im Oberaargau ist die Situation ähnlich, aber doch ganz anders: Nur die Mädchen haben das Merkblatt erhalten. Und entsprechend reagiert: «Wir werden zu Objekten degradiert», sagte eine Schülerin gegenüber 20 Minuten, «das ist klar sexistisch». Die Schulleitung erwiderte, das sei alles nur eine Empfehlung, keine Verordnung und hätte ausserdem auch an Jungs gehen sollen. Alles nur ein blöder Fehler. Wo liegt also das Problem?

Ganz einfach: im Framing. Alle fragen sich jetzt, ob es legitim sei, dass sich junge Frauen aufreizend anziehen. Dabei müsste die Frage ganz anders gestellt werden: Wieso sind Lehrpersonen damit so überfordert? Das Argument (das offenbar in Langenthal rumging), es sei nicht möglich, bei solchen Aussichten «ohne falsche Blicke» zu unterrichten, ist schlicht daneben. Genau so wie die Aussage, Frauen müssten sich bewusst sein, welche «Botschaften» sie mit solcher Kleidung «halt einfach aussenden».

Klar: Eine solche Diskussion ist immer heikel, besonders wenn es um junge Menschen in einem Schulkontext geht. Junge Menschen brauchen einen Diskurs, müssen lernen, abwägen zu können. Wann ist etwas angebracht, wann nicht? Aber die jungen Frauen dafür verantwortlich zu machen, dass sich Männer in der Gegenwart ihrer aufreizend zurechtgemachten Körper nicht beherrschen können, ist von der falschen Seite her gedacht. 

Das Problem liegt nämlich nicht bei den Frauen, sondern beim "falschen Blick": dem männlichen Blick. Der muss thematisiert und sensibilisiert werden. Bei Mädchen und Jungs, bei Frauen und Männern. Alles andere ist Ersatzdiskussion.

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