Ich kenne mich gut im südbadischen Freiburg aus, freue mich aber immer, wenn der von mir geschätzte Kollege Wolfgang Abel in seinem Oase Verlag ein neues Buch zur Breisgaustadt herausbringt. «Freiburger Wunder - Brägele und Meerblick» heisst es diesmal und bringt nicht nur zahlreiche kulinarische Tipps für Stadt und Umland, sondern zusätzlich auf über 100 Seiten mit spitzer Feder geschrieben eine Fülle von Interna über Basels nächste grössere deutsche Nachbarstadt.

 Eine gute halbe Stunde dauert die Fahrt mit dem ICE und am Samstag kommt mehr als jeder Zweite, der in Freiburg aussteigt, aus der Schweiz, ist mein Eindruck. Weil für diese Gäste die meisten der gastronomische Ziele ausserhalb Freiburgs ohne Auto oft schwer zu erreichen sind, will ich hier nur Vorschläge in der Stadt selbst zitieren.

 Eine der ersten «bürgerlichen & reformierten» Adressen, wie Abel das nennt, ist seit Jahren das «Drexlers» am Colombipark. «Ein stiller Stern, der zur gehobenen Küche Freiburgs gehört» mit «konstanter und frischer Küche», heisst es. Besonders zu empfehlen ist das Mittagsangebot. Leider hat das «Drexlers» ausgerechnet am Samstagmittag geschlossen, aber am Abend ist auf. Reservierung ist auf jeden Fall empfohlen.

Der «Lichtblick» in der oberen Altstadt ist eine typische Quartierbeiz», der beste nicht ganz billige Japaner heisst «Basho-An» und im Stadtteil Herdern findet sich mit «Chada Thai» ein gutes, nicht überteuertes Thai-Restaurant. Das «d.o.c.» in der Gerberau ist mit seinem Klassiker Risotto und einem Pasta Gericht vor allem mittags eine sichere Bank und Kaffee und feine Patisserie gibt es im «Kolben-Kaffee» beim Martinstor ebenso wie in der «Confiserie Gmeiner» in der Kaiser-Joseph-Strasse 243.

Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann einen Ausflug auf den Freiburger Hausberg Schauinsland machen. Auf 1100 Metern über dem Meer findet sich in Münstertal-Stohren mit dem «Zähringer Hof» ein familiär geführtes Gasthaus, dessen «gepflegte Küche» allerdings «freilich ihren Preis hat».

Abels teils kritische, teils leicht spöttische abschliessenden Seiten über Freiburg habe ich mit Vergnügen gelesen. Zum ersten Haus am Platz, das «Colombi», schreibt Abel, wovon er alles enttäuscht war: «Von der kalt blasenden Klimaanlage, von der matten Routine auf dem Teller und im Service, von Oberkellnerattitüde in zu weiten Hosen. Grosse Geste, die fade schmeckt.»

Weiter erfährt man vom in Freiburg nicht existierenden Daig, der hier die «eingeborenen Bobbele» und «der Dieter» sind, sprich der grüne Oberbürgermeister Dieter Salomon.  Und schliesslich zur Ökostadt: Freiburg erstattet pro Kind 30 Prozent der Stoffwindelausgaben, derzeit bis zu einer Höhe von 51,13 Euro.

Eine andere Ökostadt-Errungenschaft habe ich selber gesehen und die finde ich gut. Zusätzlich zu den drei Recyclinghöfen gibt es im gesamten Stadtgebiet von Freiburg 28 Standorte mit Containern, in den nicht nur Altglas, Altpapier und Textilien eingeworfen werden können, sondern auch Elektro- und Eisenschrott. Für die Bürger bedeutet das kurze Wege. Das System der "Wertstoffinseln" wurde seit 2015 beständig ausgebaut und die Erfahrungen sind, auch wenn es ab und zu Fehleinwürfe gibt, positiv. Eingeworfen werden dürfen Unterhaltungselektronik, Haushaltskleingeräte und Mobiltelefone. Ich fände das wäre in Basel auch praktisch.

peter.schenk@bzbasel.ch