Ich bin ein Landei und als solches pendle ich zur Arbeit, wie fast alle meine Mitlandeier. Ich mache das meistens per Bus und gebe gerne zu, dass mir das ewige Hin und Her manchmal stinkt. Und gerade im Winter mache ich mir mitunter auch Gedanken, ob ich heil zum Bus rauskomme, wenn hinten und vorne gehustet und links und rechts geschnupft wird. Dieses Problem haben die Autopendler nicht, dafür sind sie einsam. Denn pendeln per Bus hat einen grossen Vorzug: Ich bekomme viel mit übers Leben in meinem Tal. Über Geburten, Scheidungen, Todesfälle, Stellenwechsel, Dorfpossen, politische und unpolitische Konflikte und anderes mehr – einfach die ganze Palette, die das Leben zu bieten hat. So manche bz-Geschichte hat ihren Anfang deshalb im 70er-Bus genommen.

Und Bus fahren macht mehr Spass als früher, weil es der Busbetreiberin AAGL gelungen ist, das Freundlichkeitsniveau des Fahrpersonals wesentlich zu steigern. Dafür hier einmal ein grosses Danke. Aber es gibt auch noch ungute Muster. So entdeckte kürzlich ein Chauffeur seine Formel-1-Gene. Es bestand zwar kein Fahrplandruck, aber Strasse und Bus waren so verlockend leer, dass er seine eigenen Pferde und jene des Busses nicht mehr im Zaum halten konnte. Als ich an der nächsten Haltestelle um anständigeres Fahren bat, legte er, kaum war ich auf dem Rückweg zu meinem Sitz, einen derartigen Kavalierstart hin, dass ich mich nur noch knapp an einer Stange halten konnte. Liebe AAGL: (Land)Eier sind zerbrechlich. Bitte sag das Deinen Chauffeuren, damit wir noch lange miteinander pendeln können.