«Ich bin 52 Jahre alt und glaube, ich fühle in meiner linken Brust einen Knoten, der vorher nicht da war. Auch die Bewegung der Brust ist irgendwie anders, wenn ich meine Arme hebe. Muss ich mich untersuchen lassen oder kann ich zuwarten bis zu meiner nächsten regulären Jahreskontrolle?»

Wenn Sie einen Knoten in der Brust fühlen, sollte dies immer zu einer Abklärung beim Arzt führen. Hinter dem Tastbefund kann auch eine Brustkrebserkrankung stecken, die eine rasche Behandlung verlangt. Zum Glück bestehen heute sehr gute Behandlungsmöglichkeiten, die zu einer vollständigen Heilung bei sehr vielen Patientinnen führen. Dabei ist eine frühzeitige Erkennung wichtig, weil diese die Heilungschancen enorm verbessert. Ein Verfahren der Früherkennung ist das sogenannte Mammographie-Screening, welches ich persönlich als nützlich erachte, das aber nicht ganz unumstritten ist und nicht in allen Kantonen angewendet wird. Dabei werden gesunde Frauen im Alter von 50 bis 74 alle zwei Jahre für eine Mammographie Untersuchung eingeladen.

«Was erwartet mich im Falle der Diagnose Brustkrebs an weiteren Untersuchungen und Therapien?»

Wenn sich der Verdacht einer Brustkrebsdiagnose durch verschiedene Untersuchungen wie Mammographie und Ultraschall erhärtet, werden in der Regel eine Biopsie und eine feingewebliche Untersuchung durchgeführt. Das wichtigste Behandlungsverfahren ist die Operation, bei der der Brustkrebs herausgeschnitten wird. In der Regel erfolgt die Behandlung unter Erhaltung der Brustdrüse. Zur weiteren operativen Behandlung gehört auch die Untersuchung der Lymphknoten in der Achselhöhle. Nach abgeschlossener Operation ist die Behandlung in der Regel noch nicht abgeschlossen, sondern es folgen Strahlentherapie, anti-hormonelle Therapie und bei einem Teil der Patientinnen auch eine Chemotherapie. In speziellen Fällen erhalten die Patientinnen auch eine spezifische Antikörpertherapie, wenn es sich um den sogenannten HER2-positiven Brustkrebs handelt. All diese Massnahmen haben die Chancen, von Brustkrebs geheilt zu werden, heute deutlich verbessert.

«Ich habe eine Tochter, eine Schwester und eine Nichte. Müssen sich meine weiblichen Blutsverwandten im Falle einer positiven Diagnose bei mir Sorgen machen, auch ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs aufzuweisen?»

Etwa fünf bis zehn Prozent der Brustkrebserkrankungen sind erblich bedingt. Vor allem jüngere Patientinnen und Patientinnen mit mindestens zwei Brustkrebserkrankungen in der direkten Verwandtschaft (Mutter oder Schwester) haben ein erhöhtes Risiko dafür. Sollte der Verdacht auf einen erblichen Brustkrebs bestehen, wird in der Regel eine humangenetische Beratung erfolgen. Sollte ein genetischer Brustkrebs bei der Patientin diagnostiziert werden, so sollten die Kinder und Geschwister der Patientin sich auch auf erblichen Brustkrebs untersuchen lassen. Hier gibt es klare Richtlinien und Empfehlungen. Bei Nachweis einer genetischen Belastung bei der Patientin wie auch bei den Angehörigen besteht die Möglichkeit einer prophylaktischen Brustentfernung, damit eine Brustkrebserkrankung gar nicht erst ausbricht.

 

*PD Dr. Marcus Vetter ist Leitender Arzt Onkologie und Mitglied am Tumorzentrum des Universitätsspitals Basel.