Bisher kannte ich das Phänomen des Niessens und der geröteten Augen nur von Bekannten. Nun aber scheint sich der Pollenflug zum ersten Mal auch bei mir auszuwirken. Kann es sein, dass ich im Alter von 45 Jahren plötzlich an Heuschnupfen leide?

Ja, das kann durchaus sein. Heuschnupfen trifft vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Grundsätzlich kann aber auch ein älterer Patient erstmalig an einem Heuschnupfen erkranken. Gerötete, juckende und tränende Augen, Niesen, Juckreiz in der Nase, Nasenfliessen und blockierte Nasenatmung sind typische Symptome. Die Veranlagung für Heuschnupfen ist zwar angeboren, doch es können mitunter auch schon jahrelang positive Allergietests auf gewisse Pollen vorliegen, ohne dass es zu Symptomen gekommen wäre.
Warum genau die allergische Erkrankung bei gewissen Patienten erst später auftritt, ist noch nicht geklärt. Der Frühling hat übrigens dieses Jahr schon früh begonnen. Haselpollen waren bereits im Januar und Erlenpollen im Februar festzustellen. Im März war dann wegen der Witterung wenig Pollenflug zu verzeichnen, hingegen sind mit den wärmeren Temperaturen Birkenpollen in den letzten Tagen in grossen Mengen aufgetreten.

Was gibt es für lindernde Massnahmen, damit bei mir die Symptome möglichst schwach auftreten?

Für die allergischen Symptome des Heuschnupfens gilt die sogenannte «Dreibeintherapie»:

  1. Die Exposition reduzieren, d. h. sich während der entsprechenden Pollenflugzeit möglichst wenig im Freien aufhalten. Informationen zur Pollenflugzeit finden sich z. B. auf www.meteoschweiz.ch oder www.pollenundallergie.ch.
  2. Antiallergische Medikamente (Augentropfen, Nasensprays, allenfalls Antihistaminika-Tabletten oder Asthmasprays) konsequent anwenden.
  3. Falls sich die Symptome über mehrere Saisons wiederholen und vor allem stärker werden, kann eine sogenannte Allergenimmuntherapie (auch Hyposensibilisierung genannt) indiziert sein. Sie muss im Herbst und Winter mit zuerst wöchentlichen, später monatlichen Injektionen eingeleitet werden und dauert üblicherweise 3 bis 4 Jahre. Für einige Pollen steht auch eine Therapie mit Sprays oder Tabletten, die unter die Zunge gesprayt bzw. gelegt werden, zur Verfügung. Diese müssen allerdings täglich angewendet werden.

Muss ich davon ausgehen, dass ich ab jetzt jeden Frühling unter Heuschnupfen leiden werde? Was kann ich vorbeugend unternehmen, dass der Heuschnupfen nicht wiederkommt?

Das hängt etwas von Ihrem Sensibilisierungsprofil ab. Wenn jemand auf mehrere Baumarten wie z. B. Birke, Erle, Hasel sowie Rotbuche, Eiche und Esche sensibilisiert ist, kann der Symptomzeitraum relativ lange sein. Bäume blühen nicht immer gleich stark – die Rotbuche beispielsweise hat nur alle 3 bis 4 Jahre ein sogenanntes «Mastjahr», die Birken- und Haselpollen dagegen sind relativ konstant jedes Jahr zahlreich vorhanden. Dabei spielen auch die meteorologischen Faktoren sowie die einzelne Pflanzenart eine Rolle. Die Erkrankung kann also durchaus weiterhin auftreten. Allerdings kann ein Heuschnupfen auch spontan abheilen. Bei schweren Formen von Heuschnupfen – besonders bei Asthma – empfehle ich, wie oben erwähnt, die Allergenimmuntherapie, da sie eine Abheilung deutlich beschleunigen und die Symptome dauerhaft lindern kann.