Gastkommentar

Für ein Miteinander von Autos und Velos

(Symbolbild)

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David Wüest-Rudin ist Mitglied des Initiativkomitees Veloring und Grossrat bei den Grünliberalen. Sein Gastkommentar über die Diskussionen zum geplanten Veloring in Basel.

Voraussichtlich im Mai werden wir über den sogenannten «Veloring» abstimmen können. Es ist ein pragmatisches Projekt eines Miteinanders von Auto und Velo, wie es x-fach in europäischen urban pulsierenden Zentren wie Basel anzutreffen ist. Auf drei Strassenringen hat heute das Auto Vorrang, nun soll eine Art «kleiner City-Ring» für Velos entstehen. Er wird auf Nebenstrassen als für Velos vorgesehene Route markiert. Auch Autos dürfen ihn befahren, Fussgänger sind ganz normal zugelassen. Um sicheres und zügiges Fahren zu erleichtern, ist der Rechtsvortritt möglichst aufgehoben, ausser bei Kreuzungen mit öV oder bei viel Autoverkehr.

So weit, so harmlos. In der bz aber hat Christian Greif, Geschäftsführer des Automobil-Clubs der Schweiz (ACS) beider Basel, den Veloring mit erneuten Falschaussagen zu diskreditieren versucht. Fakt ist: An den wenigen kurzen Stellen, an denen der Veloring auf Hauptachsen stösst, sieht das Baudepartement grundsätzlich nicht vor, Tempo 30 einzuführen, es soll Tempo 50 bleiben. Fakt ist: Es gilt auf dem Veloring nicht nur Vorfahrt für Velos, sondern auch für Autos – es müssen nicht plötzlich «alle anderen warten». Fakt ist: Die Autos müssen nicht hinter den Velos warten, man darf natürlich vorbeifahren. Fakt ist: Es gilt nicht «absoluter Velovortritt», die Strassenverkehrsordnung ist einzuhalten.

Statt Falsches zu behaupten lohnt es sich, die Vorteile zu sehen. Der Veloring bringt eine sanfte Entflechtung von Autos und Velos, was die Autolobby immer gefordert hat. Er bringt aber vor allem mehr Sicherheit für Alt und Jung, auch für unsichere und ängstliche Velofahrende. Er sichert die Schulwege. Er verbindet Tausende von Arbeitsplätzen, zum Beispiel von Roche, Novartis und Syngenta, die übrigens den Ring begrüsst – weil eben viele mit dem Velo zur Arbeit fahren. Er entlastet die Strassen und bringt damit mehr Platz für Autos. Der Veloring wird das Rückgrat eines Netzes von Velowegen und Velospuren, womit das sichere Miteinander und Nebeneinander aller Verkehrsträger gestärkt wird. Er bringt sogar Verbesserungen für die Fussgänger: Teil des Velorings ist nämlich die Zollibrücke, die – gemeinsam mit dem Zoo geplant – entlang der Eisenbahnbrücke das Bachletten mit dem Gundeli verbindet.

Ist der Veloring zu teuer? Sicher nicht. Im Kredit enthalten ist nämlich die Zollibrücke für gut acht Millionen Franken. Bleiben etwa sechzehn Millionen für die Strassenarbeiten. 30 bis 40 Prozent der Kosten übernimmt der Bund. Bleiben gut zehn Millionen. Man vergleiche: Die Autolobby will einen Autotunnel unter dem Gundeli mit über 200 Millionen Basler Steuerfranken bauen lassen, das ist zwanzigmal (20!) der Veloring. Kürzlich wurde in Basel ein Kreisel erneuert für dreizehn Millionen. Der Strassenteil des Velorings kostet also weniger als ein neuer Kreisel. Das sind effizient eingesetzte Mittel, besser gehts kaum.

Kurz: Für relativ wenig Geld erhalten wir die Basis für eine zeitgemässe urbane Infrastruktur und stärken das Miteinander von Autos und Velos. Der Veloring ist ein pragmatischer, moderater Fortschritt, der für alle Vorteile bringt.

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