Liberale Moschee

Gebetsraum fürs 21. Jahrhundert

Männer und Frauen beten hier getrennt: Muslime in der Moschee der Bosnischen Moslemischen Gemeinschaft in Emmenbrücke LU. (Archiv)

Männer und Frauen beten hier getrennt: Muslime in der Moschee der Bosnischen Moslemischen Gemeinschaft in Emmenbrücke LU. (Archiv)

Schweizer Muslime wollen zwar eine liberale Moschee und dafür einen Verein gründen. Doch der verzögert sich wegen eines Ausichtungsstreits. Der Kommentar.

Lange überliessen die moderaten Muslime das Feld den Konservativen. Allzu lange, möchte man monieren. Denn selbst wer als liberal und offen geltende Moscheen in der Schweiz besucht, der merkt rasch: Von einer Gleichstellung der Geschlechter kann keine Rede sein. Zwar beten Frauen da und dort im selben Raum, doch wenn sie das tun, dann entweder abgeschirmt von den Männern oder im hinteren Teil des Gebetsraums. Kommt hinzu: Gegenüber Frauen als Imaminnen ist der grösste Muslim-Dachverband der Schweiz ebenso verschlossen wie die katholische Kirche gegenüber Priesterinnen.

Immer mehr erheben progressive Muslime ihre Stimmen dagegen. Die in Deutschland unter Polizeischutz stehende Frauenrechtlerin Seyran Ates ist nur die lauteste unter ihnen. Auch in der Schweiz gibt es Bewegung. Dass sich eine Gruppe vorwiegend junger Muslime um den noch fast unbekannten 30-jährigen Kerem Adigüzel, Sohn türkischer Einwanderer, nun selbst etwas im Weg steht, weil sich die Gründung ihres progressiven Moscheevereins wegen inhaltlicher Differenzen verzögert, macht zwar ungeduldig. Die vertiefte Auseinandersetzung könnte aber auch bedeuten, dass es den Modernisierern ernst ist. Sie wollen ihre Bewegung gut abstützen und nicht mit Provokationen unnötig Hass unter Konservativen säen.

Insofern wäre es Adigüzel und seinen Mitstreitern zu gönnen, wenn sie ihre Differenzen überwinden und bald einen geeigneten Raum für ihre Moschee fänden. Denn mit einer progressiven Art, ihre Religion zu praktizieren, könnten sie das negative Bild des Islams korrigieren, das viele Nichtmuslime haben. Es wäre dann weniger geprägt von Handschlagverweigerern, Dschihadreisenden oder bis zur Anonymität verhüllten Frauen. Sondern vielmehr von Bürgern, deren Glauben ganz gut ins 21. Jahrhundert passt.

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