Klybeckplus

Goldgräber auf den Altlasten der Chemie

Ein riesiges Gelände, das geprägt werden will: Klybeck Plus.

Ein riesiges Gelände, das geprägt werden will: Klybeck Plus.

Als hätte es noch eines Beweises bedurft: Es gibt derzeit kaum eine attraktivere Investition als der Erwerb von Grund und Boden in einem Ballungszentrum. Der gestern kommunizierte Kauf des BASF-Areals im Basler Klybeck durch die Swiss Life untermauert dies aufs Neue. Die Käufer des benachbarten Novartis-Areals, ein Konsortium aus Banken und Pensionskassen, haben vor einigen Wochen für ihre diversen Parzellen bereits geschätzte 700 Millionen Franken aufwerfen müssen.

Man kann also davon ausgehen, dass für das ganze ehemalige Industriegelände zwischen Rhein und Wiese gut und gerne eine Milliarde Franken locker gemacht wurden. Und das, wohlverstanden, für ein Gebiet, welches zum Teil mehr als hundert Jahre lang von der chemischen Industrie genutzt und entsprechend verschmutzt wurde. Goldgräberstimmung auf den Altlasten der Chemie – fast schon eine Ironie der (Basler) Geschichte!

Kapital ist im Überfluss vorhanden in der Schweiz – und der Boden, gerade in Ballungszentren, wird immer knapper. Das ist die Prämisse, auf welcher diese Deals gemacht werden. Doch ganz so einfach ist die Angelegenheit für die Investoren nicht. Was, wenn die Zinsen einmal massiv steigen? Was, wenn die Last der Altlasten doch wesentlich grösser wird als derzeit gemessen oder behauptet? Und was, wenn Basel beispielsweise durch eine Krise der Pharmaindustrie deutlich an Attraktivität verliert? Für die Investoren ist das mittel- und langfristige Risiko also nicht unerheblich. Aufgewogen wird es aber durch eine grosse und breite Kapitalbasis sowie die ungetrübten Wachstumsprognosen für Basel und die Region.

Und welches Risiko trägt die Stadt? Den Aufschwung der vergangenen zehn oder fünfzehn Jahre hat die Politik lange fast mit Staunen und einem beschwingten Laissez-faire verfolgt. Nun hat der Wind gedreht und es dominiert der Wille, die Veränderungsprozesse eng zu begleiten oder gar steuern zu können.

Der diffuse Begriff des gemeinnützigen Wohnens geistert in diesen Tagen durch gefühlt jeden zweiten parlamentarischen Vorstoss. Anhand des Klybeck-Areals zeigt sich hoffentlich, was eine ausgewogene Planung ist: nämlich ein Ausgleich zwischen staatlicher Steuerung und marktwirtschaftlicher Freiheit. Die Planungsvereinbarung «klybeckplus», welche Novartis und BASF einst unterzeichneten, wird jedenfalls von den neuen Eigentümern übernommen. Das ist ein erstes gutes Zeichen.

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