Herzstück

Greta und die starken Männer

Greta Thunberg trägt ihre Botschaft ans Weltwirtschaftsforum in Davos. Die 16-jährige Schwedin will mit ihrem Schulstreik darauf aufmerksam machen, wie drängend die Probleme der Umwelt sind.

Greta Thunberg trägt ihre Botschaft ans Weltwirtschaftsforum in Davos. Die 16-jährige Schwedin will mit ihrem Schulstreik darauf aufmerksam machen, wie drängend die Probleme der Umwelt sind.

Herzstück über den hoffnungsvollen Einsatz von Jugendlichen für die Umwelt.

Aus Schweden kommen nicht nur spannende Krimis. Als Kind liebte ich Pippi Langstrumpf und Kalle Blomquist mehr als Heidi und Globi (liebe Miteidgenossen, die Verse von Globi holpern grausam, und mit Heidi konnte ich mich nur identifizieren, als sie in Frankfurt war – so fühle ich mich noch heute, wenn ich in Zürich bin).

Ganz oben auf meiner Liste von immer wieder gelesenen Büchern war auch «Wickie und die starken Männer» von Runer Jonsson. Ein kleiner Junge, der trotz seiner Ängstlichkeit mit cleveren Einfällen die starken und rauflustigen, aber nicht besonders intelligenten erwachsenen Wikinger aus schlimmen Notlagen rettet.

An Wickie musste ich denken, als die 16-jährige Schwedin Greta ans WEF nach Davos reiste. Eine junge Frau, fast noch ein Mädchen, trifft die starken Männer der Welt (und einige wenige mächtige Frauen). Die mächtigen Männer sind reich und haben alle einen Privatjet. Einige reissen sich um Fototermine mit Greta. Vielleicht nur aus Imagegründen, vielleicht sind sie aber wirklich beeindruckt von ihrer unverfälschten und direkten Art.

Die Medien stürzen sich auf Greta, denn irgendwann haben alle die starken Männer zur Genüge gesehen, die den Lauf der Welt nach ihrem Geschmack und Vorteil bestimmen. Der Klassenstärkste, der gleichzeitig auch der dümmste Raufbold von allen ist, reist mit seiner Entourage gar nicht erst an, ist aber trotzdem jeden Tag in den Medien, als habe er das Rad erfunden.

Den besten Artikel über Greta fand ich den, in dem ein Journalist sie auf dem letzten Teil der Reise im Zug begleitete, unter dem Titel «So ist Greta, wenn die Kameras weg sind». Mit Bildern. So lustig können Boulevard-Journalisten sein. Echt, da ist mir der Fake-Journalist Relotius noch sympathischer.

Gretas Einsatz macht einigen Menschen Hoffnung, nicht nur jungen. In den Online-Foren und auf Social Media gibt es aber auch sehr viel Kritik, Häme und, wie das heute anscheinend sein muss, blanken Hass und Verachtung. Sie sei manipuliert, eine dumme Schulschwänzerin, wisse nicht dass auch Zug und Mobile Strom brauchen. Sie bekommt mehr aufs Dach als die gefeuerte Miss Schweiz. Nicht nur von jungen Menschen, keineswegs. Klimaveränderungsleugner sind gut organisiert und haben viel Zeit zum Schimpfen. Und Schüler die streiken, sind sowieso nur von ihren ultralinken und bekifften Eltern ferngesteuert.

Wer solchen Unsinn schreibt, war selbst nie 16 und hatte garantiert nie Kinder. Wenn meine Eltern mich als Teenager zum Demonstrieren geschickt hätten, wäre ich ausgewandert. Mit unseren Kindern haben wir durchaus kontrovers politische und gesellschaftliche Themen diskutiert, aber sie hätten sich völlig zurecht gegen jede autoritäre Beeinflussung gewehrt.

Wer sagt denn, dass Jugendliche auf alle komplexen Fragen eine Antwort geben können müssen? Wie schlau sind denn bitte die Antworten der Männer? Die meisten stellen nicht mal die richtigen Fragen. Stark, reich, mächtig. Leider nicht besonders intelligent. Greta, stell weiter infrage!

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