Mein Leben im Dreiland

Griechische Beizen wohin man schaut

Das griechische Restaurant Delphi in Weil am Rhein.

Im Unterschied zur Schweiz gibt es in Deutschland in fast jeden Städtchen ein griechisches Restaurant. Das dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass viele Griechen nach Deutschland auswanderten und es dort leicht ist, eine Beiz zu eröffnen.

Im Unterschied zur Schweiz in jedem deutschen Städtchen mindestens ein griechisches Restaurant. Wieder einmal eine dieser Dreiland-Absonderlichkeiten, die sich aus der Geschichte erklären lässt. Nach einer ersten Auswanderungswelle 1907 bis 1917 von 400 000 Griechen nach Deutschland folgten in den 60er- und 70er-Jahren eine weitere knappe Million, die allerdings auch nach Belgien auswanderten. Mit dem Beitritt Griechenland zur EWG, dem Vorgänger der EU, stiegen die Zahlen noch einmal kurz an.

Die Existenz vieler griechischer Lokale ist in Deutschland ab dem späten 19. Jahrhundert nachgewiesen. Der griechische Konsul Julius Menzer gründete mit dem «Zur Stadt Athen» die erste Kette grieschischer Weinstuben. Im 20. Jahrhundert wurde viele Griechen von Deutschland als Gastarbeiter angeworben. Es gab kaum eine andere Emigratinsmöglichkeit. 1967 bis 1974 trieb die Militärdiktatur Griechen in die Flucht.

Traditionell waren die Griechen bis in die 60er Jahre im Tabakhandel gut vertreten. Der zweit wichtigste Geschäftszweig war der Pelzhandel, bei dem es ab den frühen 80er Jahren einen rapiden Niedergang gab. Die Kürschner und Pelzhändler wandten sich gezwungenermassen anderen Berufen zu. Häufig landeten sie in der Gastronomie, wo schon viele andere Griechen arbeiteten. Interessant ist, dass noch heute der Anteil der selbstständigen Griechen in Deutschland mit 15,5 Prozent verhältnismässig hoch ist. Bei den Frauen beträgt er sogar 24 Prozent.

Allein in Freiburg im Breisgau fast 20 griechische Beizen

Statistisch lässt sich die im Vergleich zur Schweiz griechische Beizenflut in Deutschland schwer festmachen, denn weder Gastrosuisse noch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg (Degoha) haben Zahlen. Die auf Griechenland spezialisierte Internetseite Ellada.ch führt für die Deutschschweiz und die Romandie um die 40 griechische Beizen auf. Googelt man sie im südbadischen Freiburg kommt man allein dort auf rund 20 Treffer. So ganz kann der Eindruck also nicht täuschen.

Kommt hinzu, dass Gastrosuisse in seinem Branchenspiegel unter Restauration zwar fünfzehn Kategorien aufführt, die griechische Küche aber fehlt. Der Degeho, bei dem 40 Prozent der Betriebe organisiert sind, zählt ????? griechische Mitglieder. Waren es früher vor allem Hilfskräfte oder verarmte Bauern, die auswanderten, verlassen seit der Krise hochqualifizierte Griechen wie Ärzte oder Ingenieure ihre Heimat. Heute leben 362 000 Griechen in Deutschland, in der Schweiz 12 345. Kein Wunder, dass es hier auch weniger Beizen gibt, das ist reine Mathematik.

peter.schenk@bzbasel.ch

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

Meistgesehen

Artboard 1