Am heutigen 1. November wird für Strassburg eine Umweltplakette eingeführt. Sie muss unten rechts an der Windschutzscheibe der Autos befestigt werden. Wer in Zukunft bei Feinstaubalarm ohne Plakette in den 33 Gemeinden des Grossraums Strassburg erwischt wird, muss mit Bussen zwischen 68 und 135 Euro rechnen.
Sechs verschiedene Stufen gibt es. Sie sind gestaffelt danach, wie viele Schadstoffe ein Auto ausstösst. Mit einem alten Diesel kann man es sich schenken, die Plakette zu besorgen. Fahrzeuge, die zwischen 1997 und 2005 zugelassen wurden, dürfen bei Alarm im Raum Strassburg nicht fahren.

Obwohl die Behörden in der Oberrheinregion seit vielen Jahren grenzübergreifend zusammenarbeiten, haben sie es nicht geschafft, in Bezug auf die Feinstaub- und Ozonbelastung einheitlich vorzugehen. Es herrscht ein riesiges Durcheinander. So braucht man für Freiburg im Breisgau auch eine Plakette. Im Unterschied zu Strassburg gibt es aber nur drei Kategorien. Ausserdem gelten die Zufahrtsbeschränkungen für Fahrzeuge ohne diese Plakette immer, auch wenn die Feinstaubbelastung nicht besonders hoch ist. Wie in Strassburg betreffen die Verbote auch ausländische Fahrzeuge. Der Verstoss kostet hier 80 Euro. In den beiden Basel bestehen überhaupt keine Fahrverbote.

Die Entwicklung haben sogar die beiden Umweltverbände Alsace Nature und den Bund Regionalverband Südlicher Oberrhein, die mit Sicherheit nicht zur Autolobby gehören, kritisch kommentiert. «Angesichts einer zunehmenden Zahl von unterschiedlichen Plaketten und Regelungen wird es gerade für Menschen im Grenzgebiet immer schwieriger und komplizierter, Städte und Gemeinden im Nachbarland zu besuchen», schreiben sie. «Sinnvoller Umweltschutz darf nicht zu Insellösungen und zu einer neuen europäischen Kleinstaaterei führen», heisst es weiter.

Merkwürdig bei der Geschichte ist, dass es an sich für die Feinstaubbelastung mit 50 Mikrogramm pro Kubikmeter europaweit einheitliche Grenzwerte gibt. Nur wird im Dreiland unterschiedlich damit umgegangen. In Baden-Württemberg wurden die ersten Schutzzonen bereits 2008 eingeführt. Für die Schweiz hat das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (Uvek) auf Antrag der Kantone Genf und Tessin ein analoges System wie in Deutschland geprüft und bei den Kantonen eine Vernehmlassung zur sogenannten Umweltzonenverordnung gestartet. «Das Vorhaben stiess auf mehrheitliche Ablehnung, sodass das Uvek auf eine Weiterführung verzichtete», teilt Markus Camenzind mit, Leiter Abteilung Luftqualität und Messtechnik im Lufthygieneamt beider Basel.

Wer sich für sein in der Schweiz zugelassenes Fahrzeug eine Plakette für Frankreich besorgen will, kann dies über die Internetseite www.certificat-air-gouv.fr machen. Sie kostet inklusive Versand 8.50 Euro. Die deutschen Plakette gibt es bei den Zulassungsstellen von Landkreisen und Städten, aber auch bei Tankstellen, die einen Abgastest anbieten. Sie kommen auf fünf bis acht Euro.

Bleibt die Frage, ob es nicht bequemer und schneller ist, mit dem Zug zu fahren. Aber am Abend gibt es ein Problem. Von Strassburg fährt der letzte Zug nach Basel schon um 21.21 Uhr. Von Freiburg sieht es besser aus. Nachdem der Spätzug vor einigen Jahren abgeschafft worden war, verkehrt jetzt wieder um 23.11 Uhr ein ICE nach Basel.

peter.schenk@bzbasel.ch