An Heiligabend hieb ein 23-jähriger Mann vor dem Badischen Bahnhof seinem Schwager einen Hammer auf den Schädel. Natürlich berichteten Online-Medien am Weihnachtstag darüber. Die beiden «Newsnetz»-Partner Basler Zeitung (BaZ) und Tages-Anzeiger (TA) ergänzten die Meldung wie üblich durch «Artikel zum Thema». Zuoberst auf der Liste stand: «Bananenwerfer von Basel ist 45-jähriger Doppelbürger». Mit etwas feiertäglichem Fusel im Blut könnte eine Banane ja noch knapp als Hammer durchgehen. Doch offerierten dieselben Portale als zweiten «Artikel zum Thema» Hammerattacke die Schlagzeile: «Basler stimmen über Ozeanium ab».

Eine Körperverletzung mit dem Ozeanium-Projekt in Verbindung zu bringen, ist schon fast üble Nachrede. Offenbar ist der Algorithmus von «Newsnetz» darauf programmiert, alles, was aus Basel kommt, in einen Topf zu werfen. Nur so ist zu verstehen, weshalb das Portal des Tages-Anzeigers noch einen oben draufsetzte und als dritten «Artikel zum Thema» meldete: «Basler Moschee will Mädchen von Buben trennen».

Nein, liebe Leserinnen und Leser, das ist kein spitzfindiges Spottlied, sondern eine todernste Trauerklage über unsere ferngesteuerte Medienlandschaft. Man stelle sich das Befremden an der Limmat vor, wenn ein Basler Medium Dinge vermischen würde wie das «Ja» der Zürcher zu ihrem neuen Stadion, das Flambieren des Bööggs und ein bahnbrechendes, neues Französisch-Lehrmittel einer Schwamendinger Primarschule.

Den Perspektivenwechsel von Zentrale und Peripherie hat auch der in Aarau beheimatete Verlag der bz nicht im Griff. Denn mit einem guten Lokalteil allein ist es nicht getan. Auch der Sport-, der Schweiz-, der Kultur- und der Wirtschaftsteil einer Zeitung sind von der persönlichen Sichtweise ihrer Macher geprägt. Als beispielsweise das Schweizer Fernsehen vor Weihnachten über «Glück aus dem Warenhaus» nachdachte, kam die Reportage aus dem Glattzentrum. Weshalb? Weil die Journalistinnen und Journalisten von Leutschenbach dort privat einkaufen. Die SRG ist ohnehin ein spannender Präzedenzfall – im Guten wie im Schlechten: Vor einigen Wochen entschied sie, ihre Nachrichtenstudios von Bern nach Zürich zu verlegen. Eine angebliche Sparmassnahme, die ganz auf Kosten der Diversität gehen wird. Gleichzeitig zügelt dieselbe SRG ihre Abteilung Kultur von Zürich nach Basel.

Dieser Umzug könnte beispielsweise auch CH Media, das Mutterhaus der bz, dazu inspirieren, etwa die zentrale Sport- und die Wirtschaftsredaktion nach Basel zu verlegen. Oder der Tages-Anzeiger könnte die Betreuung aller Online-Portale des Verlags bei der Berner Zeitung konzentrieren, die ebenfalls zum Konzern gehört. Dann würde der weihnächtliche «Hammering Man» vor dem Badischen Bahnhof in Zukunft sinnvollerweise mit einem ähnlichen Verbrechen, vielleicht in Thun oder Bern-Bethlehem, in Verbindung gebracht anstatt mit der Abstimmung über das Ozeanium.

Im Zeitalter der Auslagerung zentraler Dienstleistungen von Konzernen nach dem fernen Indien sollte es technisch möglich sein, in der kleinen Schweiz ohne Reibungsverluste eine regionale Realteilung der Medienmacht zu praktizieren. Geeignete Software, die es Teams erlaubt, über Distanz gut zusammen zu arbeiten, ist inzwischen überall ab Stange erhältlich. Wechselnde Perspektiven, aus denen die Öffentlichkeit Inhalte wahrnimmt, sind das Salz in der Mediensuppe – und eine zentrale Grundlage der Demokratie.

*Der Autor ist in Liestal aufgewachsen und lebt in Basel. Er ist Journalist, Kulturmanager, Unternehmer und Berater.