Der Ärger der Baselbieter Regierung über den Aargauer Alleingang ist berechtigt. Neben dem unsolidarischen Gebaren stösst vor allem auf, dass plötzlich die finanzielle Rentabilität die neue Grundlage für den Entscheid darstellen soll, Bundesasylzentren auf eigenem Kantonsboden zu errichten. Der Aargauer Regierungsrat schlägt mit einer derartigen, im Grunde menschenverachtenden Argumentation einen sehr gefährlichen Weg ein.

Nun, dem Baselbiet soll es recht sein. Für den Landkanton steht jetzt die Türe offen, sich ein weiteres Mal als ein in Asylfragen vorbildliches, aufgeschlossenes Staatswesen innerhalb der Eidgenossenschaft zu profilieren. Während im Aargau der Widerstand gegen den lokalen Asylstandort Oberwil-Lieli in voller Hässlichkeit Schlagzeilen machte, eröffnete das Baselbiet in beispielhaft unaufgeregter Weise ein eidgenössisches Grosszentrum auf dem Muttenzer Feldrebenareal. Gewiss hatte es auch hier vorgängig Bedenken in der lokalen Bevölkerung gegeben. Zu irgendwelchen Protestauswüchsen wie im Aargau kam es aber nie. Zwei Jahre nach der Eröffnung kann festgestellt werden, dass der Betrieb störungsfrei läuft und von der Bevölkerung mitgetragen wird – natürlich auch dank der meist geringen Auslastung. Die vielen Solidaritätsaktionen, die den Start des Feldreben-Provisoriums begleitet haben, stellen Kanton und Gemeinde ein ausgezeichnetes Zeugnis aus.

Darum soll Baselland nochmals seine Expertise und Offenheit ausspielen und ein Bundesasylzentrum dauerhaft zu sich holen. Denn auch diese wichtige Lektion hat der Landkanton inzwischen gelernt. Dieses gehört in die bevölkerungsreiche Agglomeration in Stadtnähe und nicht in ein Tal im strukturell benachteiligten Oberbaselbiet.