Mein Leben im Dreiland

Gut erhaltene, gebrauchte Luxusschuhe zum Sonderpreis

300 bis 400 Schuhe von namhaften Produzenten gibt es im Schuhladen von Bernd Herkenrath in Staufen (D). Seine Geschäftidee hatte er wegen seines Schuhticks. An einem Vormittag verkaufte er zehn Paare auf dem Flohmarkt.

Am Anfang steht der Frust. An einem Samstagmittag wollten wir einen Herbstausflug ins schöne südbadische Städtchen Sulzburg machen und dort in meinem Lieblingsrestaurant La Maison Eric zu Mittag essen. Langjährige Leserinnen und Leser von mir wissen, dass ich diese Superbeiz mit Wohnzimmeratmosphäre seit vielen Jahren über den grünen Klee lobe.

Erics Frau Dagmar macht in der Küche bis zu den Saucenfonds alles selbst. Eric, Ex-Sommelier in der Sulzburger Sternenbeiz Hirschen, sorgt mit französischem Charme für den Service und die Weinberatung. Und das alles ist erst noch bezahlbar. Wenn man am Abend einkehrt, kann man dort auch übernachten und am nächsten Morgen das ausgezeichnete Frühstück geniessen.

Leider gibt es das kleine Mittagsmenu nur noch sonntags. Sonst wird nur abends gekocht. Na ja, zu den Luxusschuhen von Staufen wären wir sonst nicht gekommen. Vorher sind wir im Café Inka in Ötlingen gelandet. Auch das ein schönes Ausflugsziel, aber seit vielen Jahren kein Geheimtipp mehr.

Die Qualität der einfachen, frischen Speisen hat darunter zum Glück nicht gelitten. Auch die Kuchen sind weiter ausgezeichnet. Wir haben uns dann doch noch für einen weiteren Ausflug entschieden und sind bei herrlichem Herbstwetter am Rande des Schwarzwalds mit dem Auto über Kandern und Sitzenkirch an Badenweiler vorbei getuckert.

Von Müllheim führt eine kurvige Strasse durch die Weinberge und die Winzerdörfer Britzingen und Laufen. Sulzburg haben wir wegen der geschlossenen Beiz rechts liegen lassen, obwohl es hier mit der Synagoge und dem jüdischen Friedhof Einiges zu sehen gibt. Gelandet sind wir schliesslich in Staufen.

Das Faust-Städtchen war bereits im Sommer 2016 Thema einer Kolumne, in der ich in zwei Sätzen einen sensationellen Laden erwähnt habe, in dem man günstig gut erhaltene gebrauchte Luxusschuhe kaufen kann. Damals war «Classic Shoes» Staufen, so der Name, geschlossen.

Diesmal haben wir mehr Glück gehabt. Ich habe ein Faible für gute, rahmengenähte Schuhe und wäre beinahe fündig geworden. Noch 125 Euro mit Schnallen an der Seite, wie ich es liebe, haben sie gekostet. Ganz erheblich günstiger als der Neupreis, an den ich mich nicht mehr erinnere. Leider waren sie ein wenig zu gross. Ich habe eigentlich genug Schuhe, aber da wäre ich schwach geworden.

Bernd Herkenrath, der Inhaber des Ladens, in dem auch seine Frau arbeitet, kam durch seinen Schuhtick auf die Geschäftsidee. Zu seinen besten Zeiten hatte er 80 Paar Schuhe – alle von namhaften Herstellern wie Allen Edmonds, Alden oder Ludwig Reiter.

Das war dann doch etwas zu viel, sodass er sich in Baden-Baden zum Flohmarkt aufmachte, um sie dort anzubieten. Innerhalb eines Vormittags hatte er zehn Paare für Preise zwischen 150 und 200 Euro verkauft. Da die Schuhe so gut erhalten waren, störte es die Leute nicht, dass sie schon gebraucht waren.

Seit anderthalb Jahren hat Herkenrath in der Hauptstrasse 48 einen Laden mit einem Bestand von 300 bis 400 Paar Schuhe. Er kauft sie über das Internet in der halben Welt zusammen. Sie werden gründlich gereinigt, instandgesetzt, wenn nötig repariert und für maximal die Hälfte des Neupreises an die Frau oder den Mann gebracht. Auf der Internetseite findet sich eine Liste der Angebote. Kaufen muss man aber vor Ort. Das ist sowieso sinnlicher. Und mit mehr Lust verbunden.

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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