Das Einkaufen im nahen Südbaden wird auch nach der Einführung einer Bagatellgrenze für die Rückerstattung der Mehrwertsteuer durch den deutschen Finanzminister für viele Einwohner der Region Basel attraktiv bleiben. Die grotesk hohen Preisunterschiede insbesondere bei Drogerieprodukten aber werden schmelzen.

Die deutsche Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent hat man bisher zurückerhalten. Einzige Voraussetzung dafür war ein Wohnsitz in der Schweiz. Mit der Einführung einer Bagatellgrenze in Höhe von 175 Euro wäre es mit diesem Vorteil für die allermeisten Fälle vorbei.

Wer trotzdem nach Südbaden einkaufen geht, der wird dies vor allem machen, weil er das Angebot und den Service schätzt. Auch dürften viele wie bisher den Besuch beim Nachbarn nutzen, um dort einzukehren. Die Beziehungen im Dreiland würden durch eine Bagatellgrenze normalisiert, und das ist gut so: Weniger Staus an der Grenze, das 8er-Tram, in dem auch die Kleinhüninger wieder Platz finden, wenn es aus Weil kommt. Und die Finanzminister in Bern und Berlin, die sich an den sprudelnden Mehrwertsteuer-Einkommen freuen, sowie die deutschen Zöllner, deren Hauptjob es nicht mehr sein wird, im Akkord grüne Zettel zu stempeln.

Die Angleichung der Preise wird die gegenseitige Wertschätzung fördern. Was für ein Glück, dass der deutsche Finanzminister nicht aus Freiburg, sondern aus Hamburg kommt. Auch der Schweizer Detailhandel dürfte die unerwartete Unterstützung durch Olaf Scholz mit Freude zur Kenntnis nehmen.