Checks, nicht Tests oder Kontrollen, waren in den dritten Primarschulklassen der Nordwestschweiz im September für Lehrerschaft und Kinder Pflicht. Die Ergebnisse werden Vergleiche möglich machen. Man darf gespannt sein. Ein Ranking ist nicht vorgesehen. Wer’s glaubt, zahlt einen Taler. Entsteht so gleichzeitig die normierte und gouvernementale Schule? Eher Anpasser als Widerstandserprobte und kritische Citoyens? Bildung ohne Herzensbildung? Passen wir auf, dass wir nicht die Freiheit, die auch die Freiheit des Unterrichts sein muss, verlieren. Die Obrigkeit will uns schon zur Genüge umerziehen und am Gängelband führen.

Was mich als Grosätti interessieren muss, ist die Zukunft der Baselbieter Schule. Ist es freudiges Erwarten? Misstrauen? Unmöglicher Lehrplan 21? Unsicherheit bei Eltern und in der Lehrerschaft? Lauter Fragezeichen, die auch unsere heutige Schullandschaft widerspiegeln. Kein sicheres Terrain mehr weit und breit. Niemand ist zu beneiden, wenn er nicht die ultimativ-geniale Bildung für unsere Kinder intus hat. Früher machte die «Gute Schule Baselland» die Runde, heute propagiert ein Komitee die «Starke Schule». Orwellsche Sprachverwirrung oder «Schule reloaded»? Sicher ist nur der Wandel, dem sich selbst Bildungsathleten von einst nicht verschliessen können. Aber diese Schule ist jetzt gefordert, denn mir scheint, sie bricht vor lauter hängigen Initiativen fast zusammen.

Was weiter auffällt: der Zwist zwischen SP und der «Starken Schule». Die politische Logik will es, dass die SP den verloren gegangenen Sitz in der Regierung bald wieder zurückerobern kann. In dieser schwebenden Zeit zwischen Checks and Balances, allgemeiner Irritationen und schulischem Dickicht mit zum Teil islam-fundamentalem Gestrüpp muss die Bildungsdirektorin mit einiger Sensibilität den Weg finden. Und? Hat sie ihn gefunden? Sagen wir, sie ist auf gutem Weg. Sie hat wenigstens dafür gesorgt, dass die Baselbieter Schule in diesem Unwetter nicht den Bach runter gegangen ist. Besonnenes, unaufgeregtes und zurückhaltendes Handeln war nicht die schlechteste Art des Regierens. In der Politik kocht jeder gern sein eigenes Süppchen, und das ist dann keine Sterne-Küche. Nachsitzen muss sie also nicht, aber jetzt das Menu richtig würzen und dafür sorgen, dass es von Bildungsideologen nicht versalzen wird.

Es bleibt der bohrende Seufzer: Wenn ich nur wüsste, was die gute oder starke Schule ist. Wissen Sie es? Mir jedenfalls fehlen die Kompetenzen, wie sie der Lehrplan 21 vorsieht, um das alles einzuordnen. Da sich beide Seiten der Sozialromantik bezichtigen, erleben wir ein Spektakel, das wir eigentlich nicht gewollt haben. Unsere Demokratie ist schuld, denn sie hat das alles möglich gemacht. «Es wundert einen, dass die Leute immer noch ins Theater gehen, nach allem, was sie in der Schule durchgemacht haben.» Der Satz stammt nicht von mir, sondern von Orson Wells. Vielleicht hilft nur noch der Humor, um die gute in eine starke Schule umzuwandeln. Oder umgekehrt.